Get Adobe Flash player
SCHON GESEHEN ?
Banner

ANMELDUNG

Benutzername

Passwort

Angemeldet bleiben

BESUCHER
Wir haben 5 Gäste online
BEITRAG SUCHEN
Start Astrologie Allgemein PDF* Feng Shui

PDF* Feng Shui

Feng Shui

Feng Shui Boom – die anempfundene Ekstatik

Zur besseren Lesbarkeit steht Ihnen eine PDF Date zur Verfügung klicken Sie dazu auf folgenden Link *zur PDF Datei...*

 

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 1 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Christopher A. Weidner

Feng Shui

Die Botschaft des Raumes

(1998)

Feng Shui Boom – die anempfundene Ekstatik

„Die Astrologie ist für Verwirrung und Ausbreitung dogmatisch ausgedrückter Meinungen ein

besonders fruchtbares Gebiet …“1 – mit Fug und Recht ließe sich dieser Ausspruch Rudhyars auch

auf die Situation der gegenwärtigen Rezeption von Feng Shui anwenden, jener fernöstlichen Lehre

von den Gestaltung menschlicher Lebensräume im Einklang mit bestimmten in der Umgebung

lokalisierten Mustern.

Feng Shui boomt – und auf den Büchertischen der Buchhandlungen drängt sich eine inzwischen

unüberschaubar gewordene Zahl von Werken. Von Homogenität ist dabei keine Spur – wer auch nur

zwei Bücher gelesen hat, läuft Gefahr, sich mit teilweise völlig gegensätzlichen Empfehlungen

konfrontiert zu finden. Ein wahrer Turm zu Babel: Ratlosigkeit statt Information ist die Folge.

In aller Regel macht sich so gut wie keine der gängigen Publikationen tatsächlich die Mühe, Feng Shui

auf der Basis einfacher, auch für den abendländischen Menschen einsichtiger Begriffe zu entwickeln.

Übrig bleibt der wirre Eindruck, die praktische Umsetzung müsse über kurz oder lang dazu führen, die

eigene Wohnung in einen chinesischen Tempel zu verwandeln. Denn in der überwiegenden Zahl der

Fälle wird weit mehr Aufmerksamkeit auf fernöstliches Ambiente und dekoratives Brimborium gelenkt,

als auf die Kernpunkte des Feng Shui, zu deren Verständnis es nicht auf das Anbringen von

Windspielen, Fächern und Ba-Gua-Spiegeln ankommt.

Aber selbst dort, wo man die Grundlagen streift, geschieht dies so, als ob es sich um die Offenbarung

eines mysteriösen Wissens handle, welches, da es fern und alt zugleich ist, sich jedem Versuch zu

verstehen widersetzen wird.

Dabei mahnte schon 1929 C.G.Jung: „Der gewöhnliche Irrtum (…) des westlichen Menschens ist,

dass er (…) östliche Ekstatik anempfindet, Jogapraktiken wortwörtlich übernimmt und kläglich imitiert.

Dabei verlässt er den einzig sicheren Boden des westlichen Geistes und verliert sich in einem Dunst

von Wörtern und Begriffen, die nie aus europäischen Gehirnen entstanden wären, und die auch

niemals auf solche mit Nutzen aufgepfropft werden können.“2

Überhaupt erscheint es sträflich, sich mit Feng Shui auseinanderzusetzen, ohne den sozio-kulturellen

Hintergrund, die in den Überbau dieser Lehre zu einem großen Teil eingeflossen sind, zu

1Rudhyar, Dane, Das astrologische Häusersystem. Reinbek bei Hamburg 1992; S.10

2Wilhelm, Richard/Jung, C.G., Geheimnis der Goldenen Blüte. München 1994; S.11

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 2 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

berücksichtigen. Wie aber soll man von unserer Warte aus sinnvoll mit einer Erlebniswelt umgehen, in

der noch heute das Individuum wenig gilt und sich als Mitglied einer gesitteten und geordneten

Gesellschaft bewähren muss. So ist es bezeichnend, dass sich bis in die Neuzeit kein eigener

politischer oder philosophischer Begriff für „Freiheit“ im Chinesischen finden lässt, während sich das

Wort, welches diesen Zustand beschreiben soll, eher pejorativ von „losgelassen sein“ herleitet.3

Ebenso wenig kennt man Begriffe für „Individualismus“, „Gleichberechtigung“ und „Brüderlichkeit“ –

alles Werte, die in der Geschichte des Abendlandes einen herausragenden Stellenwert eingenommen

haben und nicht mehr wegzudenken sind.

Angesichts dieser Erkenntnisse scheint es mehr als bedenklich, wenn einige Feng Shui-„ExpertInnen“

vorschlagen, die patriarchalische Denke des chinesischen Altertums zur unabdingbaren Vorgabe für

„gelungenes“ Feng Shui machen, z.B. was die Aufteilung der Räumlichkeiten in Wohnhäusern angeht

oder gar die Tischordnung.

Feng Shui - aus der Anschauung geboren

Über welchen Zugang aber, der sich weitgehendst frei von Glaubensinhalten und Aberglauben

bewegt, können wir uns Feng Shui nähern? Dieser Weg kann nur über die auch unmittelbar unserem

Bewusstsein zugängliche Erfahrungswelt der unmittelbaren Anschauung erfolgen.

Feng Shui – so kann man es überall nachlesen – bedeutet „Wind“ und „Wasser“. Allein aus diesem

Umstand können wir schlussfolgern, dass diese Kunst aus der Beobachtung natürlicher Phänomene

und ihrer Auswirkungen auf das menschliche Leben entstanden ist. Diese Art der Beobachtung, die

den menschlichen Betrachter als ausschlaggebend für die Deutung natürlicher Phänomene

berücksichtigt, nenne ich Anschauung. Anschauung besitzt im Gegensatz zur wissenschaftlichen

Beobachtung keinen Anspruch auf Quantifizierbarkeit und Falsifizierbarkeit der Wirklichkeit, sondern

interessiert sich lediglich für die Bedeutung des Betrachteten, so wie sie sich dem menschlichen Auge

darbieten. So mag man aus wissenschaftlicher Sicht die Farbe Rot als denjenigen Abschnitt im

Spektrum des Lichtes bezeichnen, der eine Wellenlänge von 600 bis 780 Nanometer aufweist. Auch

wenn dies zweifelsohne richtig ist – eine Bedeutung hat diese Aussage für uns Menschen nicht. Erst

in der Anschauung eines roten Objektes werden wir einer Bedeutung gewahr, wobei es neben dem

sozio-kulturellen Konzept auch auf den Zusammenhang ankommt, in dem wir eine solche

Wahrnehmung machen. So besteht wohl ein Unterschied in der Bedeutung der Farbe Rot, je

nachdem, ob sie uns in Gestalt roter Rosen oder im Rot einer Ampelphase begegnet.

Feng Shui basiert meiner Auffassung nach auf dieser Art und Weise, die Umwelt zu sehen und schafft

dabei über den Bedeutungsgehalt des Wahrgenommenen einen Bezug zur inneren Situation des

Betrachters, welche so in die eine oder andere Richtung beeinflusst wird. Man könnte auch sagen: Die

äußere Landschaft spiegelt sich in einer inneren Landschaft wieder, die in den beobachteten

Phänomenen Sinnzusammenhänge erkennt und Botschaften entziffert. Ziel der Anschauung ist die

3Eberhard, Wolfram, Lexikon chinesischer Symbole. München 1994; S.9

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 3 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Interpretation der Umwelt, um sich an diese in der bestmöglichen Weise wachsend anzupassen.

Wachsende Anpassung bedeutet hier, dass „zu jeder Situation oder jeder Erscheinungsform … ein

Schlüssel, eine Verhaltensform entwickelt werden muss, die im Sinne des Überlebenserfolges dazu

passt.“4

Dazu entwickelte die chinesische Tradition zwei Systeme: Eines, welches sich rein auf die

Anschauung der Formen in der Umwelt bezieht, und ein anderes, welches sich der Ausdeutung der

Himmelsrichtungen widmete, die so genannte Formen-Schule und die Kompass-Schule. Erstere

entstand wohl in den bergigen und formenreichen Regionen Chinas, während Letztere sich in den

weiten Ebenen Nordchinas entwickelte. Nicht die Landschaft selbst wurde hier zum Material der

Anschauung, sondern die Position der Phänomene vom Standpunkt des Betrachters aus, wobei man

sich von den Erfahrungen des in den Zyklus der Jahreszeiten und in den Wechsel zwischen Tag und

Nacht eingebetteten Menschen bei der Interpretation der Himmelsrichtungen leiten ließ.

Die Bedeutung der Himmelsrichtungen

Die Bedeutungen der Himmelsrichtungen wiederum hängen sehr stark mit den astronomischen

Vorgängen ab, wie sie sich dem geozentrischen Betrachter darbieten. Mit dem Gesicht nach Süden

(siehe Abbildung 1, S. 4) findet er linker Hand den Aufgangsort der Sonne im Osten.5 Im Süden vor

ihm kulminiert die Sonne mittags, rechter Hand im Westen geht sie schließlich unter. Allein die

nördliche Richtung im Rücken des Betrachters bleibt ausgespart und wird entsprechend mit dem

Mitternachtspunkt der täglichen Sonnenlaufbahn assoziiert. Damit ist bereits ein einfaches Schema

zur Bestimmung von Qualitäten gegeben:

Im Osten erhebt sich die Sonne, weswegen diese Himmelsrichtung mit Beginn und Blüte verbunden

ist. Im übertragenen Sinne entspricht der Osten dem Pioniergeist des Forschers, dessen Bestreben es

ist, wie die Sonne die Wahrheit an den Tag zu bringen. Der Aufbruch des Tages symbolisiert in dieser

Anschauung den beginnenden Lebenswillen des Einzelnen. Der Osten ist analog dem Frühling

zugeordnet, wenn die Saat, die den Winter über in der Erde ruhte, zu sprießen beginnt und sich

wieder überall Leben in aller Vielfalt zu zeigt. Da nach dem dunklen Winter der Himmel wieder blaut,

entsprechen dem Osten die Farben Grün für die wiederkehrende Vegetation und Blau für den Himmel.

Holz als Repräsentant des pflanzlichen Lebens ist das Bild für die Qualität.

Der Süden ist die wichtigste Richtung, denn in dieser Richtung befindet sich das ganze Jahr über die

Sonne, mal etwas höher, mal etwas niedriger über dem Horizont.6 Aus diesem Grunde liegt es nahe,

dass diese Himmelsrichtung mit Wärme, Trockenheit und Licht in Verbindung gebracht wurde, und so

schließlich überhaupt als günstigste aller Richtungen gelten musste. Der warme Süden repräsentiert

4Fiedeler, Frank, Die Monde des I Ging. München 1988; S.17

5Tatsächlich sind chinesische Landkarten stets mit Süden nach oben ausgerichtet – so wie der kaiserliche Thron in diese

Richtung zeigte und sich die Pforten des kaiserlichen Palastes in diese Richtung öffneten.

6Dies gilt selbstredend nur für die nördlichen Breiten. In den südlichen Breiten muss konsequenterweise der Norden mit dieser

Deutung belegt werden.

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 4 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

natürlich auch die heiße Jahreszeit des Sommers. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht,

wenn man dieser Himmelsrichtung rot als Farbe erhitzter Gegenstände zuwies. Im Bild des Feuers

erkannte man die Qualität dieser Richtung als am besten verkörpert.

Wenn die Sonne im Westen verschwindet, symbolisiert ihr unvermeidlich sterbendes Licht nicht nur

Tod und Bestattung, sondern auch die Notwendigkeit, sich einer übergeordneten Gerechtigkeit zu

beugen. Der Westen entspricht in dieser Logik dem Herbst und damit der Zeit der Ernte, einer Zeit, in

der angesichts der herannahenden Kälte das Wohl des Einzelnen dem Wohle der Gemeinschaft

untergeordnet werden muss. Die Zuordnung der Farbe Weiß zu dieser Himmelsrichtung mag aus der

Assoziation mit dem Glänzen der metallischen Erntewerkzeuge hervorgegangen sein. Ebenso war es

in früheren Zeiten üblich, Kriege erst nach der Ernte auszuführen, weswegen die Verbindung von

Weiß als Farbe des polierten Metalls der Schwerter zur Todesfarbe schlechthin erklärt wurde. Ohne

Zweifel ist hierin auch die Zuordnung von Metall als die Qualität des Westens verkörperndes Bild

begründet.

Abbildung 1: Die Bedeutung der Himmelsrichtungen aus der Anschauung von Tag und Jahr

Im Gegensatz dazu steht der Norden, aus dessen Richtung die widrigen Winde über das Land fegen.

Da hier die Sonne niemals stehen kann, repräsentiert er die oppositionellen Kräfte zur Südrichtung:

Kälte, Nässe und Dunkelheit. Das Fehlen von Sonnenlicht aus dem Norden konnte in enger

Verbindung mit den langen, dunklen Nächten des Winters gesehen werden. Feuchtigkeit und Nässe

dieser Jahreszeit, aber auch seine mit zunehmender Tiefe wachsende Dunkelheit mögen dazu geführt

haben, dass man die Qualität des Nordens am ehesten im Bild des Wassers wieder fand.

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 5 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Ohne den Standort des Betrachters zu berücksichtigen ist das chinesische Weltbild nicht vollständig.

So ergänzte man diese vier Himmelsrichtungen mit einer fünften – der Mitte7, die gewissermaßen der

Achse Zenith-Nadir entspricht und senkrecht durch den Betrachter verläuft. Während sich alle anderen

Qualitäten in ständiger Bewegung befanden, so wie sich auch die Sonne in ständiger Bewegung

befindet und ununterbrochen den Wandel der Jahreszeiten und den Wechsel der Tageszeiten

hervorruft, gilt die Mitte als stabil und unbeweglich. Sie verkörpert den Menschen selbst, auf den die

Einflüsse der Umgebung einwirken und an dem sie Gestalt annehmen – so wie die formbare aber in

der gewonnenen Form feste Erde, welche zum Bild dieser Qualität wurde. Da die Erde in China

geprägt ist von der Farbe gelblichen Lösses, wird der Mitte auch die Farbe Gelb zugewiesen.8

Die fünf Gehweisen

Auf diesen einfachen Anschauungstatsachen entfaltet sich die gesamte Lehre des Feng Shui und wird

dadurch in der Herleitung ihrer prinzipiellen Symbolik auch für uns transparent.

Aus der Symbiose der Formen- und der Kompassschule entwickelte sich nach und nach die komplexe

Systematik und Methodik, die heute unter dem Begriff Feng Shui zusammengefasst wird. Besonders

wichtig für Feng Shui ist die Zuordnung von fünf grundsätzlichen Formtypen zu den

Himmelsrichtungen – aus diesem Konzept erwuchs die Lehre der Wu Xing oder „fünf Gehweisen“, auf

die man sich in der gängigen Literatur am ehesten als die fünf Elemente oder Wandlungszustände

bezieht. Ihren Namen bezogen diese fünf Qualitäten aus den Bildern, welche mit den

Himmelsrichtungen assoziiert wurden:

Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

7Auch die Inselkelten scheinen ein Weltbild der fünf Himmelsrichtungen entwickelt zu haben. So weist Irland vier Provinzen auf

(Connacht im Westen, Ulster im Norden, Leinster im Osten und Munster im Süden), doch wird eine fünfte namens Meath, die

„Mitte“ erwähnt, die vermutlich eher eine geistige, denn eine reale Dimension besaß und mit dem Thema der Königsherrschaft

verbunden wurde. vgl. Rees/Rees, Celtic Heritage. London 1981

8 In der Tradition des Feng Shui nennt man den Süden auch „Roter Phönix“, den Osten „Grüner oder Blauer Drache“, den

Westen „Weißer Tiger“ und den Norden „Schwarze Schildkröte“, manchmal auch „Dunkler Krieger“. Diese entsprechen in der

chinesischen Astrologie den vier „Palästen“ oder Himmelsvierteln, über die sie als Konstellation herrschen. Der „Zentralpalast“

in der Mitte entspricht dabei der Region der zirkumpolaren Sterne. Im Feng Shui hingegen entwickelte sich hieraus die noch

heute wichtige Vorstellung von einem optimalen Platz für Häuser und Gräber (die Häuser der Toten), nach der ein idealer

Standort die vier Merkmale in seiner Umgebung aufweisen sollte.

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 6 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Abbildung 2: Der Zyklus der fünf Wandlungsphasen – losgelöst von seiner Herleitung aus den

Himmelsrichtungen.

Diese fünf Grundqualitäten lösten sich bald von ihrer statischen Zuordnung zu den Richtungen des

Kompass und avancierten immer mehr zu dynamischen Prinzipien des Seins schlechthin (vgl.

Abbildung 2). Dabei wurden sie im Laufe der Zeit immer weiter mit Attribute und Korrespondenzen

versehen, sodass sich aus dem Wechselspiel ihrer Kräfte schließlich jedes beliebige Phänomen

erläutern und beschreiben ließ.9

Für Feng Shui sind vor allem die formgebenden Kräfte der fünf Gehweisen wichtig:

Holz ist erkennbar in hohen und aufrechten Formen – deutlich finden wir hier das Bild des

Baumes wieder und der nach oben strebenden Zweige und Äste der Pflanzen.

Feuer wird durch alle spitz zulaufenden, speziell auch dreieckigen Formen vertreten – die

Abbildung einer Flamme.

Erde verleiht flache und vorwiegend rechteckige Formen – ein Bild, das an bestelltes Ackerland

erinnert.

Metall finden wir in runden und halbrunden Formen – möglicherweise eine Assoziation um die

Gestalt von Münzen.

9 Wie in Abbildung 2 zu erkennen ist, folgen die Phasen im Uhrzeigersinn in einem konstruktiven Kreislauf aufeinander, in

welchem jede Phase die nachfolgende erzeugt und nährt. In der Reihenfolge des inneren Pentagramms folgen die Phasen dem

kontrollierenden oder auch destruktiven Zyklus, wobei jede Phase die folgende unterdrückt bzw. zerstört. Über diese beiden

Perspektiven auf die Dynamik der Wandlungsphasen ergeben sich günstige und ungünstige Konstellationen. Außen sind die

Zuordnungen zu den fünf Grundformen gegeben, innen die entsprechenden Planeten.

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 7 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Wasser wiederum kennt keine und alle Formen, deshalb steht es für unregelmäßige Gestaltung

und natürlich die Wellenform.

Ihren himmlischen Ausdruck fanden die sich ununterbrochen wandelnden Qualitäten

konsequenterweise in den Planeten, den „Wandelsternen“ – unter Auslassung der beiden Lichter

Sonne und Mond. So entspricht Holz dem Planeten Jupiter, Feuer dem Planeten Mars, Erde wird

durch Saturn vertreten, Metall durch Venus und Wasser durch Merkur. Hier fällt auf, dass es neben

deutlichen Parallelen zur Interpretation der Planeten ganz erhebliche Differenzen gibt, wenn z. B.

Venus in der chinesischen Tradition als männliche Kraft angesehen wird und mit kriegerischen

Aktionen verknüpft wird, während Jupiter als weiblich gilt.10 Hier wird wiederum deutlich, dass es nicht

darum gehen kann, die Inhalte des Feng Shui für uns eins-zu-eins zu übernehmen, sondern auf der

Grundlage der vorgefundenen Prinzipien und im Einklang mit unseren Überlieferungen eine eigene

Sichtweise zu entwickeln.

So liegt es auf der Hand, dass die fünf Gehweisen ihrer grundsätzlichen Natur nach große Ähnlichkeit

mit der allgemeinen Bedeutungsebene haben, auf der wir auch unsere Planeten deuten –

entsprechend verfügen wir im Abendland nicht über fünf Aktionsformen, sondern mittlerweile über

(mindestens) zehn.

Pa Kua – der achtfältige Raum

Auch die Chinesen kennen bekanntlich eine Einteilung der Ekliptik in zwölf Abschnitte, doch fußt

dieser chinesische „Tierkreis“ nicht auf dem jährlichen Lauf der Sonne wie unser westlicher, sondern

auf dem zwölfjährigen Jupiterzyklus, woraus sich erklärt, das sich die Namen wie Ratte, Ochse, Tiger

etc. auf jeweils ein Jahr beziehen. Im Feng Shui spielt jedoch weder die Ekliptik (der „Gelbe Pfad“ der

Chinesen) noch der Himmelsäquator (der „Rote Pfad“) eine Rolle. Messkreis ist hier stets der Horizont

– und der wird nach den Himmelsrichtungen eingeteilt. Es wird deutlich, dass die Zahl Zwölf bei der

Betrachtung irdischer Phänomene von der Zahl Acht abgelöst wird, die sich aus der Halbierung der

Himmelsrichtungen ergibt. Wichtig ist, dass für die Chinesen Haupt- und Nebenhimmelsrichtungen der

Windrose völlig gleichwertig sind und eine eigenständige Bedeutung besitzen. Neben den

grundsätzlichen Bedeutungen, wie sie oben angeführt wurden, entstand durch Überlagerung mit den

pa kua, den acht Trigrammen der I Ging-Tradition, ein Schema zur Dechiffrierung der Bedeutung des

den Menschen umgebenden Raumes.11

Jedes Achtel des Horizontes erhält auf diese Weise ein eigenes Spektrum an Bedeutungen, die sich

auch in ganz konkreten Lebensbereiche niederschlagen. (vgl. Abbildung 3) – auch wenn dies in der

Folge eine eklatante Verkürzung der ursprünglich sehr metaphysisch angedachten Konzepte darstellt.

10Walters, Derek, Chinesische Astrologie. Zürich 1990; S.18

11Es würde an dieser Stelle zu weit führen, auf die besonderen Eigenheiten Systems einzugehen, insbesondere auf die

Entstehung der Trigramme und ihre Verteilung auf die Himmelsrichtungen. Der Interessierte sei auf die Erläuterungen zum I

Ging von Richard Wilhelm oder die Bücher von Derek Walters verwiesen. Auch Eva Wong widmet in ihrem Buch Feng Shui

(Berlin 1997) diesen komplexen Prozessen ein eigenes Kapitel.

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 8 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Aus diesem achtfältigen Schema entwickelte sich jenes allgegenwärtige, manchmal Stop-Schild-artig

wiedergegebene Ba-Gua (Abbildung 3), mit dessen Hilfe dem Laien versprochen wird, Reichtum,

Glück und Gesundheit zu bewirken, wenn er nur in den einen oder anderen Winkel seines Hauses

wahlweise eine Pflanze, ein Licht, einen Spiegel oder ein Goldfischglas platziere. Die ursprüngliche,

sehr eingängige Bildsprache aus der natürlichen Anschauung ist bei vielen AutorInnen leider verloren

gegangen.

Abbildung 3: Das System der Pa Kua oder Ba-Gua als Gliederung des Raumes.

Das System der Pa Kua, oft auch einfach Ba-Gua genannt, gliedert den Raum in acht Sektoren. Nach

wie vor befindet sich Süden oben, Norden unten, Osten links und Westen rechts. (Die Bedeutung der

einzelnen Raumsegmente ist stark beeinflusst durch die traditionelle Zuordnung zu den acht

Trigrammen des I Ging, deren Namen und klassische Inhalte zu den teilweise recht plakativen und

pragmatisch vereinfachten Interpretationen geführt hat.)

Wichtiger aber als die bloße Übernahme dieser Zuordnungen erscheint mir die Dominanz der Zahl

Acht einer Überlegung wert. Offensichtlich kommt es der menschlichen Betrachtungsweise der

räumlichen Ausrichtung seiner Umgebung näher, die vier kardinalen Himmelsrichtungen durch

fortwährende Halbierung zu präzisieren, sodass die Zahl Acht als Ordnungszahl des irdischen

Raumes eher infrage kommt als die in der westlichen Astrologie vorgezogene Zwölftelung des

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 9 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Tierkreises oder des Häuserkreises, die auf der Drittelung der jeweiligen Quadranten beruht. Ein Blick

auf die Windrose jedes Kompasses bestätigt diese Annahme. Während also die Acht einen

offenkundigen Bezug zur Gliederung räumlicher Symmetrie aufweist, offenbart sich die Zahl Zwölf

eher als Ordnungszahl zeitlicher Symmetrie, wie in den zwölf Stunden des Tages und den zwölf

Monaten.12 Dies deckt sich auch mit der traditionellen Ansicht, dass Systeme, die auf der Zahl Vier

beruhen, auf die Manifestation von Energie im Konkreten verweisen, während Systeme, denen die

Zahl Drei zu Grunde liegt, die geistige Dimension versinnbildlichen (vgl. Dreifaltigkeit etc.). Kurz: Die

Ordnungszahl Vier vertritt irdische Qualitäten, die Ordnungszahl Drei dagegen über-irdische oder

besser: himmlische Qualitäten.

Der Horizont als Bezugsebene

Die westliche Astrologie hat sich im Laufe der Zeit in überwiegender Mehrheit auf die Ekliptik, sprich:

den Tierkreis, als Bezugsebene zur Bestimmung der Planetenpositionen geeinigt. Dennoch ist jeder

andere Bezugskreis denkbar, unter anderem der Himmelsäquator und eben auch der Horizont. Dieser

dürfte sogar – neben der Definition vor dem Fixsternhintergrund – die ursprünglichste Methode

gewesen sein, wenn man bedenkt, dass Ekliptik und Äquator im Gegensatz zum Horizont lediglich

vorgestellte Linien sind, die keine konkrete Entsprechung bei der alltäglichen Beobachtung des

Sternenhimmels zeigen. Der Horizont dagegen ist ein dem Augenschein offensichtliches Phänomen

und bietet sich durch Bestimmung von Gestirnsständen förmlich an: mithilfe der Himmelsrichtungen

kann man die Position z.B. der Planeten problemlos wiedergeben – allerdings nur für bestimmte

Zeitpunkte, da sich die Stellung mit der Rotation des Firmaments ständig in Höhe und Richtung

verändert.

Trägt man nun die Planetenstände auf den Horizontkreis ein, d.h. in der Richtung, in der die Planeten

zu einem bestimmten Zeitpunkt über oder unter dem Horizont standen, erhält man das so genannte

Standort- oder Horizonthoroskop (Abbildung 4).13 Wie die chinesischen fünf Gehweisen können die

Planeten in jeder Richtung des Horizontes vorgefunden werden – sie stellen eine unabhängige

dynamische Größe der Interpretation dar.

12Dies wäre m.E. ein weiterer wichtiger Hinweis darauf, dass der Tierkreis ursprünglich nicht aus einer räumlichen Einteilung der

Ekliptik entstand, sondern aus der zeitlichen Gliederung des Sonnenjahres.

13 Der Horizont dient hier als Messkreis zur Positionsbestimmung der Planeten vom Standpunkt des Betrachters in der Mitte aus

gesehen. Linien zeigen, in welcher Blickrichtung die jeweiligen Gestirne stehen. Norden ist gemäß unserer Sichtweise oben, die

übrigen Himmelsrichtungen folgen wie in der kleinen Windrose oben rechts angegeben. Die Punkte AC und DC zeigen die

Stelle am Horizont, an der gerade die Ekliptik (der Tierkreis) auf- bzw. untergeht. IC und MC liegen stets in exakter Nord-Süd-

Richtung. An Stelle einer Zwölfteilung des Bezugskreises ist hier die Einteilung des Horizontes in acht Sektoren vorgeschlagen.

Interessant ist, dass vom Geburtsort Kennedys ausgesehen zum Zeitpunkt seiner Geburt Venus als Herrscherin des achten

Hauses exakt in Richtung auf Dallas stand.

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 10 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Während es wohl kein Problem darstellt, Deutungsbilder für die Planeten zu entwickeln14, gibt es keine

formalen Anhaltspunkte, den Himmelsrichtungen und damit den Sektoren entlang des Horizontes

bestimmte Themen zuzusprechen – so wie die Tierkreiszeichen Bereiche bestimmter Qualität auf der

Ekliptik wiedergeben. Am ehesten vergleichbar ist damit die Idee des Häuserkreises und seinen

individualisierbaren Häuserthemen – ähnlich wie die pa kua eine auf das konkrete menschliche Leben

zugeschnittene Deutungsebene ermöglichen. Unter der Voraussetzung, dass jedoch eine Achtelung

des Horizontes der menschlichen Anschauung räumlicher Strukturen eher entgegenkommt, müsste

man jedoch auch eine Aufteilung des Gesichtskreises in acht Sektoren zu je 45° bevorzugen.15

Auf diese Weise erhielten Horizonthoroskope, die bis dahin stets unter dem Manko litten, rein auf

Planetenlinien reduziert zu werden, eine Struktur, welche es ermöglicht die dynamischen Qualitäten

der Planeten in statischen Interpretationsräumen entlang des Horizontkreises, ausgerichtet nach den

Himmelsrichtungen, zu deuten – so wie wir heute Planeten in den zwölf Tierkreiszeichen und den

zwölf Häusern deuten.

14vgl. hierzu die Arbeit von Steve Cozzi, Die Astrologie des Standortes, Mössingen 1993. Leider beschränkt sich Cozzi nicht auf

eine rein astrologische Darstellung, sondern vermengt neben Feng Shui auch die sogenannte „heilige Geomantie“ und

Radiästhesie mit teils unhaltbaren, weil astronomisch nicht korrekt dargestellten Behauptungen.

15Tatsächlich wissen wir von den Etruskern, dass sie ein Divinationssystem entwickelt hatten, in dessen Rahmen sie den

Horizont in sechzehn Sektoren einteilten – was einer nochmaligen Halbierung der acht Sektoren entspricht. Über jeden Sektor

herrschte eine andere Gottheit. Es wurden jedoch nicht Gestirnspositionen mit diesem System beschrieben, sondern vielmehr

Christopher A. Weidner – Feng Shui Seite 11 von 11

© Christopher A. Weidner 2002

Abbildung 4: Das Horizont- oder Standorthoroskop für John F. Kennedy (vgl. auch Fußnote 13).

Bei der Suche nach möglichen Ansätzen zur Entwicklung einer den acht Horizontsektoren

entsprechenden Bildersprache, können wir uns, wie es das chinesische Feng Shui vorgemacht hat, an

dem Anschauungsmaterial aus den astronomisch bedingten Prozessen des Jahres- und Tageszyklus

orientieren.16

Wenn dies überzeugend gelingt, könnten wir ähnlich dem pa kua über eine Schablone zur

Entzifferung der Botschaft des Raumes, wie er den Menschen umgibt, sei es ein Zimmer, eine

Wohnung, ein Haus, ein Garten, ein Grundstück oder sogar eine ganze Stadt, verfügen – jedoch

gespeist aus Quellen, die solche Bilder und Symbole bereithalten, wie sie der Geisteshaltung und den

sozio-kulturellen Wertvorstellungen des Abendlandes entsprechen.

Abendländische Astrologie und fernöstliches Feng Shui finden ihre gemeinsamen Wurzeln in der

Anschauung des Himmels und der irdischen Phänomene, welche mit den Vorgängen am Firmament

korrelieren. Während sich über die Zeiten hinweg zwei völlig verschiedene Systeme herausbildeten,

die deutlich Kinder ihrer Kultur und deren Epochen sind. Feng Shui hat seinen Weg zu uns gefunden,

stößt in seiner Denkart und seiner pragmatischen Betrachtungsweise der Welt, in die sich der Mensch

räumlich gestellt fühlt, auf breite Resonanz. Meiner Meinung nach sollten wir dies als Impuls

wahrnehmen und verstehen, diese Prinzipien angemessen auf unser astrologisches Wissen

anzuwenden, um einen ganz eigenen Stil hervorzubringen, ohne dass der abendländische Mensch

„sich selbst aufgibt und den Osten imitiert und affektiert, wo er doch so viel größere Möglichkeiten

hätte, wenn er sich selber bliebe und aus seiner Art und seinem Wesen heraus all das entwickelte,

was der Osten aus seinem Wesen im Laufe der Jahrtausende gebar.“17

jedwede „himmlische“ Regung vom Vogelflug über Blitze bis zur Wolkenbildung erfasst und als Botschaft der Götter

interpretiert.

16In der abendländischen Überlieferung forschte vor allen Dingen Isidor von Sevilla in diese Richtung, er stellte um 600 n.Chr. in

seiner Schrift „De natura rerum“ einen Zusammenhang zwischen den Jahreszeiten, den Elementen und den Himmelsrichtungen

her, wobei er ebenfalls auf eine achtfältige Struktur kam.

17Wilhelm, Richard/Jung, C.G. a.a.O; S.14


 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

100 gute Gründe gegen Atomkraft

Facebook MySpace Twitter Digg Delicious Stumbleupon Google Bookmarks 
Werbeblocker?
Bitte beachten Sie, dass sich diese Seite über Werbung finanziert. Schalten Sie Ihren Werbeblocker ab um zu den Seiteninhalten zu gelangen.