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PDF* Die Entwicklung des Kindes und ihre Deutung im Horoskop

Die Entwicklung des Kindes

und ihre Deutung im Horoskop

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Christopher A. Weidner – Die Entwicklung des Kindes Seite 1 von 14

© Christopher A. Weidner 2002

Christopher A. Weidner

Die Entwicklung des Kindes

und ihre Deutung im Horoskop

 

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,

die Sonne stand zum Gruße der Planeten,

bist alsobald und fort und fort gediehen

nach dem Gesetz, womit du angetreten.

So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen,

so sagten schon Sybillen, so Propheten;

und keine Zeit und keine Macht zerstückelt

geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

Johann Wolfgang von Goethe, Orphische Urworte

Einleitung

Wenn wir geboren werden, kommen wir bekanntlich nicht vollständig entwickelt auf die Welt: sowohl

unsere körperlichen als auch unsere emotionalen und geistigen Voraussetzungen sind noch nicht so

weit, uns ein autarkes Leben zu ermöglichen, d.h. uns selbstständig um unser Überleben zu

kümmern. Wenn wir das Licht der Welt erblicken, beginnt zunächst ein im Vergleich zu vielen

Tierarten sehr langer und komplizierter Entwicklungsprozess, in dessen Rahmen sich der menschliche

Organismus äußerlich wie innerlich "fit" macht, um die Herausforderungen des Lebens annehmen zu

können.

Im Grunde genommen hört dieser Entwicklungsprozess, den wir auch "Lernen" nennen, niemals auf,

doch die Intensität und die Erlebnisdichte der ersten Jahre des Lebens eines Menschen, welche wir

unter dem Begriff "Kindheit" zusammenfassen, werden niemals wieder erreicht. In dieser Phase

werden alle zum Überleben notwendigen Mechanismen ausgebildet und zum Teil unwiderruflich

festgelegt. Dabei vollzieht sich das Lernen in sich ablösenden, aber auch ineinander fließenden

Phasen und offenbart die innere Logik aufeinander aufbauender Schritte: später erworbene

Fähigkeiten setzen früher erworbene Kompetenzen voraus, wie z.B. zu lesen voraussetzt, sprechen

zu können.

Eine wichtige Frage dabei ist: Wie viel von dieser Entwicklung ist angeboren und wie viel davon wird

durch die Umwelt geprägt? Wie viel ist Anlage und wie viel ist Umwelt? Verhaltensbiologen tendieren

dazu, die Lernkapazität eines Menschen auf erbliche Faktoren einzuschränken und räumen dem

Einfluss der äußeren Umgebung nur wenig Spielraum ein. Die Behavioristen dagegen glauben, dass

Christopher A. Weidner – Die Entwicklung des Kindes Seite 2 von 14

© Christopher A. Weidner 2002

so gut wie alles, was wir lernen, auf Konditionierungen durch das Umfeld zurückgeführt werden kann

und man deshalb einem Menschen so gut wie alles beibringen könne. Die "Wahrheit" liegt, wie so oft,

wahrscheinlich in der Mitte: alle Stufen der Entwicklung bedienen sich der Umwelt, jedoch nicht in dem

Sinne, dass der Mensch gegenüber dieser Umwelt passiv ausgeliefert wäre, sondern "als ein zu

erobernder Gegenstand" (PIAGET), an dem die Menschen die in ihnen angelegten Lerndispositionen

aktiv erproben und entfalten und so ihre individuelle Prägung erfahren.

Die Umwelt ist eine Herausforderung, an der sich die Anlagen - angeborene und vererbte - bewähren

und sich in einem Prozess der Aussteuerung an die vorgefundenen Bedingungen aussteuern. Die

Abfolge der Phasen dieses Prozesses ist offensichtlich ebenfalls im Menschen angelegt und

bestimmen z.B. die Entwicklung des Menschen in der Kindheit: es handelt sich um ein Muster, dem

alle Menschen folgen. Im Rahmen dieses Musters jedoch entfaltet sich die individuelle Existenz jedes

einzelnen Menschen im Wechselspiel zwischen seinen Anlagen und der Umwelt, in die er sich

gebettet vorfindet.

Für die Erziehung hat dies Konsequenzen: Im Grunde können Eltern, Lehrer und Pädagogen Kindern

nichts "beibringen", so als ob es sich um leere Behältnisse handelt, die nun mit Wissen aufgefüllt

werden müssten - eine kindgerechte Erziehung besteht nicht darin, Kinder von außen zu

programmieren oder zu konditionieren: vielmehr geht es darum zu erkennen, was im Kind bereits als

Neigung angelegt ist und sich ganz von selbst nach einem ihm innewohnenden Programm nach

Entfaltung strebt. Aufgabe von Unterricht und Erziehung wäre es dann, die geeigneten Bedingungen

zu schaffen, die es jedem Kind ermöglicht in der Umwelt genau das zu finden, was es für seine

individuelle Entwicklung benötigt. Das Kind soll nicht einfach das Wissen von den Erwachsenen

übernehmen, sondern aus sich heraus neu finden können. Die Rolle der Umwelt besteht deshalb nicht

darin, das Kind zu formen, sondern es zum Selbermachen herauszufordern.

Stufen der Entwicklung

Das Horoskop bleibt von der Minute unserer Geburt bis zur Stunde unseres Todes dasselbe - nicht

eine Konstellation wird sich verändern - die Persönlichkeit und ihre Entwicklung ist und bleibt

gebunden an diese "geprägte Form".

Doch es entspricht unserer Erfahrung, dass wir uns verändern: wir sind nicht derselbe Mensch, der wir

mit fünf, fünfzehn oder fünfzig Jahren sind - wir haben uns entwickelt. Das Horoskop ist daher mit

einem roten Faden zu vergleichen, der sich durch unser ganzes Leben zieht: es verkörpert das, was in

uns als konstante Abbild der himmlischen Ordnung zum Zeitpunkt und am Ort der Geburt angelegt ist.

Aber es zeigt nicht, was wir daraus machen, wie wir diese "geprägte Form" im Leben zur Entfaltung

bringen, "lebend entwickeln".

Diese Entwicklung astrologisch zu erfassen ist sehr schwierig, weil wir im Grunde genommen zu

keiner Zeit voraussagen können, welche Richtung des Lebens ein Mensch auf Grund seiner

Erlebnisse einschlagen wird: zu jedem gegebenen Zeitpunkt öffnen sich dem Menschen mehr als nur

eine Möglichkeit, wie sich seine weitere Existenz gestalten könnte - als Astrologen können wir

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© Christopher A. Weidner 2002

vielleicht die Bandbreite der möglichen Wege einschätzen, aber welchen er davon letztlich wählen

wird, entzieht sich unserer Kenntnis und ist maximal auf der Basis guter Menschenkenntnis

abzusehen. Definitiv wissen können wir es nicht - es ist die freie Entscheidung, die hier zum Tragen

kommt.

Das Leben entwickelt sich jedoch nicht nur individuell von einer persönlichen Entscheidung zur

nächsten, sondern es verfolgt bestimmte Muster, die für alle Menschen gleichermaßen gelten und die

wir uns nicht aussuchen können: wir können uns z.B. nicht gegen die Pubertät entscheiden oder

gegen das Erwachsenwerden im Allgemeinen. Insbesondere die Kindheit vollzieht sich entlang

solcher wichtiger Stationen und gliedert diese in bestimmte Phasen. Die Untersuchung dieser Phasen

und der ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Persönlichkeit widmet sich die

Entwicklungspsychologie, deren Vorreiter und Hauptstellvertreter Jean Piaget maßgeblichen Einfluss

auf das Verständnis der Prozesse hatte, die im Kinde auf dem Weg zum Erwachsenen stattfinden.

Piaget unterscheidet vier Phasen von der Geburt bis etwa zum sechzehnten Lebensjahr. In jeder

dieser Phase entdeckte er breite Übereinstimmungen in kindlichen Verhaltensmustern. Daraus

schloss er, dass es sich bei der Folge von Stufen und Stufen um eine kollektive Struktur handelt,

entlang derer sich alle Kinder mehr oder weniger präzise entwickeln. Jedes abgeschlossene Stadium

wird in das darauf folgende integriert und dadurch überwunden. Dies sollte jedoch nicht darüber

hinwegtäuschen, dass es sich lediglich um ein idealisiertes Modell handelt: der individuelle Faktor des

Menschen führt zu einer unübersehbaren Vielfalt an Entfaltungsmöglichkeiten der kindlichen

Persönlichkeit. Dieses Modell kann uns jedoch helfen zu verstehen, was da vor sich geht - und wir

können es mit unsren Beobachtungen und unseren Erfahrungen vergleichen. Ich habe dieses Modell

zudem deshalb aufgegriffen, weil es sich sehr gut mit astrologischen Gegebenheiten in Einklang

bringen lässt und vor allen Dingen ermöglicht, Schwerpunkte in der Interpretation des

Kinderhoroskops je nach Lebensphase zu setzen.

Christopher A. Weidner – Die Entwicklung des Kindes Seite 4 von 14

© Christopher A. Weidner 2002

Die Bedeutung der Quadranten und des ersten Regelkreises in den

vier Phasen

Jeder der vier Phasen der Entwicklung eines Kindes setzt den Schwerpunkt bei der Ausbildung einer

Persönlichkeit auf jeweils andere Anlagen: Wie mit einen Scheinwerfer wird in jeder Phase ein anderer

Ausschnitt des Potenzials zur Geltung gebracht - diese Ausschnitte entsprechen den vier

Häuserquadranten des Horoskops.

Man könnte auch sagen: jede dieser Phasen bringt eine andere Lektion als Vorbereitung auf das

künftige autonome Leben in der Welt der Erwachsenen mit.

Der erste Regelkreis dagegen zeigt, auf welche Weise diese Lektion verarbeitet wird und wie die

gewonnenen Erkenntnisse in die wachsende Persönlichkeit integriert werden.

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© Christopher A. Weidner 2002

Das Modell der vier Regelkreise nach der Schule für Transpersonale Astrologie: Der erste Regelkreis regelt den Aufbau der

Persönlichkeit als Grundlage für alle weiteren Entwicklungen und steht deshalb bei der Betrachtung eines Kinderhoroskops im

Vordergrund (vgl. Christopher A. Weidner "Kinderhoroskope richtig deuten", Nymphenburger Verlag).

Dabei wird deutlich, dass jeder Mensch eine völlig andere Art und Weise hat, die Lektionen der

Kindheit zu erfahren und zu erleben - und dass es auch Unterschiede darin gibt, wie zugänglich einem

Menschen bestimmte Lebensthemen sind oder nicht.

So leuchtet ein, dass einem Menschen, der seinen ersten Regelkreis vor allem im vierten Quadranten

hat, auch erst in der vierten Lebensphase als Persönlichkeit "aufblühen" wird, während er in den

Phasen davor möglicherweise Schwierigkeiten hatte, z.B. was die körperliche Entwicklung angeht. Ein

Kind mit einem Schwerpunkt im ersten Häuserquadranten wird vielleicht eher Mühe haben, sich mit

gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen, während es seinen Platz in der Welt schon früh über

die Ausbildung der körperlichen Fähigkeiten findet.

Dies kann Eltern helfen zu verstehen, warum sich Kinder unterschiedlich entwickeln: der individuelle

Zugang eines Menschen auf die Wirklichkeit bedingt, dass er sich zu unterschiedlichen Zeiten

offenbaren muss. Ein Kind, dass sich in den ersten Lebensjahren nur zögerlich zu entwickeln scheint,

kann schon in der nächsten Lebensphase zur Höchstform auflaufen.

Dies heißt jedoch nicht, dass ein Kind die Themen, die vielleicht vom ersten Regelkreis nicht berührt

werden oder nur schwach, automatisch vernachlässigen wird. Es heißt vielmehr, dass es Zugang zu

diesen Themen am leichtesten finden wird, wenn es ihm möglich ist, es auf die Art und Weise zu tun,

die seiner Veranlagung entsprechen.

Christopher A. Weidner – Die Entwicklung des Kindes Seite 6 von 14

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Phase 1: Geburt bis 11/2 - 2 Jahre - Sinneswahrnehmung und

Bewegung

In diesen Jahren vollzieht sich die Entwicklung des Kindes in einem rasanten Tempo - so viel an

essenziellen Prozessen geschieht auf keiner anderen Stufe später.

Die wichtigsten körperlichen Veränderungen beziehen sich auf die Beherrschung des Körpers als

Instrument der Fortbewegung: das Baby lernt zu sitzen, zu krabbeln, sich aufzurichten und zuletzt sein

Gleichgewicht zu behalten und zu laufen. Mit dieser Stufe erreicht das Kind also nach und nach die

Chance zu körperlicher Autonomie von den Eltern.

Das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Motorik wird immer wichtiger, um sich im Raum

orientieren und bewegen zu können. Ein erstes Bewusstsein seiner Selbst entsteht und damit die

Erkenntnis, dass die Umwelt auch unabhängig von den eigenen Handlungen existiert (z.B. dass die

Dinge nicht verschwinden, wenn man die Augen zumacht oder dass ein Gegenstand aus

unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet zwar anders aussieht, aber immer noch ein und dieselbe

Sache ist).

Nach und nach wird die Umwelt nicht mehr passiv erlebt, auf die das Kind reflexartig reagiert, sondern

als eine Umgebung, auf die aktiv Einfluss genommen werden kann. Nehmen wir den angeborenen

Greifreflex: er wird beim Säugling automatisch ausgelöst, wenn die Innenhand berührt wird. Später

geht dieser Reflex verloren und wird abgelöst durch die bewusste Greiftätigkeit, die nicht nur

feinmotorisch ein Fortschritt ist, sondern von nun an auch von der Absicht des Kindes gesteuert wird,

nach einem interessanten Objekt zu greifen, um etwas damit zu tun.

Überhaupt erwacht das Interesse für die Außenwelt, die in zunehmenden Maße erforscht wird und

deren Gesetzmäßigkeiten nach und nach erkannt werden. Das Wissen, das sich das Kind in dieser

Phase aneignet, beruht in erster Linie auf Handlungen an den Dingen der Umwelt. Es experimentiert,

was den Dingen geschieht und wie sie sich verhalten, wenn es mit seinen eigenen Handlungen auf die

Dinge einwirkt: was passiert, wenn man sie fallen lässt, wenn man sie verschiebt usw. So verfeinert es

seine Möglichkeiten, aktiv auf die Umwelt Einfluss zu nehmen.

In dieser gesamten Phase geht es um die sinnliche Erfassung der Umwelt und der Ausbildung der

motorischen Fertigkeiten, um Handlungen an der Umwelt auszuführen. Alles geschieht noch sehr

unmittelbar und hängt von der konkreten Umsetzung ab. Erst gegen Ende dieser Phase beginnt das

Kind diese Handlungen zu abstrahieren, die Handlungen zu verinnerlichen: sie kann vorgestellt

werden und muss nicht mehr ausgeführt werden, um sie zu begreifen. Diese Verinnerlichung legt den

Grundstein für die vorausschauende Problemlösung: wir können im Vorfeld bereits Lösungsstrategien

aus der Erfahrung verinnerlichter Handlungen ableiten, anstatt in der unmittelbaren Situation

ausprobieren zu müssen. Am Ende dieser Phase hört das Kind auf, mit der Umwelt in allem, was es

tut, identisch zu sein - es beginnt sich selbst beim Ausführen der Handlungen zuzuschauen, indem es

über die Handlungen reflektieren lernt. Das Kind weiß nun, dass es in eine Umwelt eingebettet ist,

welche unabhängig von ihm existiert und in der es ein Körper unter vielen ist.

Christopher A. Weidner – Die Entwicklung des Kindes Seite 7 von 14

© Christopher A. Weidner 2002

Lektion 1: Erster Quadrant - Entwickle Deinen Körper!

In dieser Phase der Kindheit liegt die Aufmerksamkeit der Entwicklung ganz deutlich auf den

körperlichen Voraussetzungen. Diese finden wir im Horoskop im ersten Häuserquadranten (Häuser [1]

bis [3]). Die Deutung des Horoskops eines Kindes im Alter von 0 bis etwa 2 Jahre sollte sich deshalb

auf die Zeichen und Planeten beziehen, die sich in diesem Quadranten befinden. Besonderes

Augenmerk verdient natürlich der Aszendent, welcher als Spitze des ersten Hauses das Thema des

gesamten Quadranten in nuce auf sich vereint.

In Stichworten weisen die Häuser des ersten Quadranten auf diese Themen:

Haus [1]: Die körperliche Anlage als konkreter Ausdruck der Kraft, mit der ich mein eigenes Leben

durchsetzen möchte. Die physischen Bedürfnisse, die mich antreiben, meine Kraft einzusetzen. Die

Umstände der Geburt.

Haus [2]: Das Wachstum des Körpers, der Körper selbst.

Haus [3]: Die Fertigkeiten meines Körpers, sich mit der Umwelt in Kontakt zu setzen. Der

Bewegungsapparat, die Sinnesorgane, die Voraussetzungen bezüglich Sprache.

Die Deutung des ersten Regelkreises: Den Körper und seine Fähigkeiten

ausprobieren.

Der erste Regelkreis des Kindes in dieser Lebensphase wird sich entsprechend auf die Ausbildung

der Themen des ersten Quadranten richten, d.h. auf die motorischen und sensorischen Fähigkeiten

und ihren Einsatz in der Umwelt. In dieser Phase erhält der erste Regelkreis seine erste Prägung, da

er sich zum ersten Mal an der Umwelt ausprobieren kann.

In Stichworten könnte man den ersten Regelkreis in der ersten Phase der Kindheitsentwicklung wie

folgt beschreiben:

Mond: Wie empfinde ich mich körperlich in diese Welt eingebettet? Welche Eindrücke auf körperlicher

Ebene verschaffen mir das Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen? Wie nehme ich die Umwelt in

ihrer Körperlichkeit wahr?

Merkur: Wie gelingt es mir, meinen Körper an den gegebenen Umweltbedingungen auszusteuern?

Wie reflektiere ich die Beobachtungen über die Umwelt im Verhältnis zu meinem Körper? Wie

verinnerliche ich die Eindrücke, die sich als Reaktionen auf meine Handlungen in der Umwelt zeigen?

Sonne: Wie setze ich meinen Körper aktiv zu meiner Umgebung in Beziehung? Wie äußere ich mich

körperlich als Reaktion auf Mangelsituationen in der Umwelt, um das Gleichgewicht wieder

herzustellen? Wie zeigt sich auf dieser körperorientierten Erfahrungsstufe mein Bedürfnis nach

Autonomie?

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© Christopher A. Weidner 2002

Phase 2: 11/2 bis 7 Jahre - Vorstellungskraft

In der ersten Phasen waren für das Kind Handeln und Wissen eins: Wissen ist in erster Linie

Körperwissen, welches sich durch den Einsatz des Körpers (Handlungen) ansammelt. In dieser Phase

beginnt das Kind, sich distanziert mit seinen Handlungen auseinandersetzen - sie müssen nicht mehr

ausgeführt werden, um Erkenntnisse zu bringen, sondern es genügt bereits, sie sich vorzustellen.

Damit geht die Entwicklung des symbolischen Denkens einher: nicht mehr der unmittelbare

Gegenstand dient als alleinige Handlungs- und Erfahrungsgrundlage, sondern auch symbolische

Repräsentanten der Gegenstände können diese Funktion erfüllen. Dies drückt sich am deutlichsten im

"Symbolspiel" aus, in dem eine vorgestellte Tätigkeit - z.B.. "mit dem Boot fahren" - nachgeahmt wird,

wobei die dabei verwendeten Gegenstände - z.B. ein Schuh - nur noch grundsätzlich auf die

Bedeutung des vertretenen Gegenstandes - das Boot - hinweisen: sie sind Symbole geworden. So

wird ein Stein zum Berg, eine Schachtel zum Haus.

Dieses Finden von Symbolen für in der Wirklichkeit tatsächlich vorkommende Dinge führt später zu

der im sozialen Rahmen so wichtigen Fähigkeit von Zeichen auf Inhalte zu schließen, z.B. die

Konventionen hinter Verkehrszeichen erkennen zu können. Zunächst aber ist sie Symboltätigkeit des

Kindes noch sehr individuell und für Außenstehende oftmals nicht klar einzusehen. In ihr offenbart sich

nach dem Schwerpunkt auf die körperliche Entwicklung des Kindes, die in erster Linie darauf aus war,

die Umwelt zu erobern, eine neue Erfahrungsebene: das Innenleben. Aus diesem Innenleben

beginnen nun Bilder aufzusteigen, welche das Wahrgenommene überlagern und ihm eine persönliche

Bedeutung verleihen, wie z.B. die Schachtel, welche zum Haus wird, oder der Stein, der zum Berg

wird usw. In jedem Kind offenbart sich dabei eine ganz eigene innere Welt, eine ganz eigene Kraft der

Imagination - der Fähigkeit, die Wirklichkeit durch vorgestellte Bilder zu ersetzen. In der Phase zeigt

sich, welche Art von Fantasie in einem Kind nach Ausdruck drängt. Dahinter wiederum verbirgt sich

möglicherweise der Ursprung künstlerischer Tätigkeit: der Mensch verleiht den Dingen in seiner

Umgebung eine Bedeutung - sie werden zu seinen Geschöpfen.

Eng damit verbunden ist in dieser Phase der häufig zu beobachtenden kindliche "Animismus" - die

Vorstellung davon, dass die Dinge um das Kind herum auf ähnliche Weise wie es selbst von

Absichten beseelt seien: bekanntestes Beispiel ist der "böse Tisch", an den sich das Kind gestoßen

hat. Das Kind differenziert zwar jetzt zwischen seinem eigenen Körper und den Körpern in seiner

Umgebung (es unterscheidet zwischen sich als Subjekt und der Umwelt als Objekt), doch durchdringt

alles noch eine stark emotionale Identifizierung.

Am deutlichsten kommt das Lernen des Gebrauchs von Zeichen und Symbolen in dem Erlernen der

Sprache zum Ausdruck: Wörter sind Zeichen für Gegenstände, die auch in Abwesenheit des

Gegenstandes auf seine Bedeutung verweisen, während sie zuvor nur Sinn machten, wenn sie mit

einem ganz bestimmten Ding verbunden werden können: "Mutter" ist dann nicht mehr nur die eigene

Mutter, sondern steht für alle Mütter und damit für das Prinzip "Mutter" schlechthin. In dieser Phase

beginnen Kinder mit den Wörtern Vorstellungen zu verbinden und über diese allgemeine Aussagen zu

treffen, wie z.B. "die Sonne ist warm", "auf einem Stuhl sitzt man" etc.: wenn diese Aussagen nach

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© Christopher A. Weidner 2002

und nach auf der Basis sozio-kultureller Regeln aufbauen, entsteht so die Grundlage der

Kommunikation zwischen Menschen.

Lektion 2: Zweiter Quadrant - Die Welt ist deine Schöpfung!

Der zweite Quadrant steht in der Astrologie für die psychischen Voraussetzungen, die ich in dieses

Leben mitbringe. Die zweite Phase der Kindheitsentwicklung konzentriert sich ganz auf die Entfaltung

dieser Anlagen und wird deshalb in puncto Kreativität und schöpferischem Ausdruck der

Persönlichkeit "geprägt". Für Kinder in diesem Alter ist daher die Deutung der Häuser des zweiten

Quadranten von besonderer Aussagekraft.

Die Häuser des zweiten Quadranten bedeuten dabei:

Haus [4]: "Der seelische Urgrund" - das, was sich in mir als Potenzial des schöpferischen Ausdrucks

in mir bewegt, meine Fantasie. Woraus ich angeregt durch meine Umwelt meine Identität aufbaue.

Haus [5]: Worin ich mich als Persönlichkeit von meiner Umwelt unterscheide - die emotionale Distanz

zwischen "Ich" und den anderen als Voraussetzung für Kreativität - das, was mich zu einer

schöpferischen Persönlichkeit macht.

Haus [6]: Wie ich meine Kreativität emotional darstelle. Meine Fähigkeit, mich in Abstimmung mit den

Umweltbedingungen schöpferisch auszudrücken. Meine Fähigkeit, die Bedürfnisse der Umwelt in

meine Kreativität einzubeziehen.

Die Deutung des ersten Regelkreises: Der Aufbau einer Identität.

Auch die Prozesse des ersten Regelkreises werden sich in erster Linie auf die Entwicklung des

inneren Lebens konzentrieren. Es geht in erster Linie darum, wie die Eindrücke aus der Umwelt zu

Gunsten des Aufbaus einer Ich-Identität geformt werden. Dies legt den Grundstein für die Art und

Weise, wie sich das Kind sich kreativ in seine Umwelt einbringen wird, indem es versucht, mit seiner

Persönlichkeit Spuren in der Welt zu hinterlassen.

Mond: Wie empfinde ich mich seelisch in diese Welt eingebettet? Welche Eindrücke verschaffen mir

den Impuls, die Welt als eine kreative Herausforderung anzunehmen? Wie nehme ich die Welt als ein

Pool schöpferischer Möglichkeiten wahr?

Merkur: Wie gelingt es mir, meine Gefühle an den Erfordernissen meiner Umwelt auszusteuern?

Nach welchen Mustern setze ich die Eindrücke aus meiner Umwelt in Beziehung zu meinem

Innenleben? Wie verinnerliche ich die Eindrücke, die sich als Reaktionen auf meine schöpferischen

Einfluss folgen?

Sonne: Wie setze ich das, was ich in mir empfinde, aktiv zu meiner Umgebung um? Wie äußere ich

mich emotional als Reaktion auf Mangelsituationen in der Umwelt, um das Gleichgewicht wieder

herzustellen? Wie zeigt sich auf dieser Erfahrungsstufe mein Bedürfnis nach seelischer Identität?

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© Christopher A. Weidner 2002

Phase 3: 7 bis 11 Jahre - Denken

Die nächste Phase der Kindheit wird bestimmt durch den Übergang des vorstellungsbezogenen zum

begrifflichen Denken - dies heißt, dass das Denken immer unabhängiger von der konkreten

Anschauung wird, in etwa vergleichbar mit dem Sprung vom Zählen mit den Fingern zum Umgang mit

Zahlen: wenn ich jetzt Zwei und Zwei zusammenzählen möchte, muss ich mir nicht mehr vorstellen,

wie ich zwei Äpfel mit zwei weiteren Äpfeln zusammenfüge, sondern ich erfasse den Wert der Zahl

unabhängig von Vorstellungen auf einer abstrakten Ebene. Dadurch bekommen auch Werte wie

Hundert oder Tausend einen Sinn.

Man könnte auch sagen: In dieser Phase eröffnet sich dem Kind der Geist als ein Raum, in dem es

sich frei bewegen kann - die am Materielle orientierte Vorstellung ist natürlich auch an die

Begrenzungen des Materiellen gebunden: sie kann nicht weiter denken als es die Vorstellung erlaubt.

Jetzt können auch Zusammenhänge gedacht werden, zu denen es keine konkreten Vorstellungen

gibt. Dies ist insofern ein bedeutsamer Fortschritt, als nun komplexere Verhältnisse zwischen

Gegenständen und Personen verstanden werden können: so begreifen Kinder jetzt, dass der

Großvater älter als der Vater ist und älter als der Sohn, dass aber der Vater im Verhältnis zum

Großvater jünger ist. Sie verbinden auch das Alter nicht mehr mit der Größe eines Menschen,

begreifen also, dass sie ein älteres Kind wohl in der Größe überflügeln können, nicht aber in der Zahl

der Lebensjahre. FünfjaÅNhrige Kinder zeichnen Bäume an Abhängen noch schief, d.h. rechtwinklig zur

Oberfläche, auf der sie wachsen - obwohl sie sicherlich gesehen haben, dass Bäume in der Regel

senkrecht wachsen. Der Grund besteht darin, dass sie zwar die Beziehung zwischen Baum und

Boden kennen ("Bäume wachsen senkrecht"), aber keine zusätzliche Vorstellung dazu fügen können

("Bäume wachsen senkrecht, selbst wenn sie an einem Abhang wachsen"), sondern stets davon

ausgehen, dass Bäume zu jeder beliebigen Oberfläche im rechten Winkel stehen. Jetzt können sie

diese beiden Merkmale problemlos koordinieren und korrekt darstellen: sie begreifen, dass sich das

senkrechte Wachstum nur auf den horizontalen Erdboden bezieht. (Dasselbe gilt zum Beispiel auch

für die schiefen Schornsteine auf gemalten Häusern, die jetzt völlig korrekt senkrecht zur

Erdoberfläche stehen). Auch die Untergliederung eines Prozesses in Anfang - Mitte - Ende bereitet

keine Schwierigkeit mehr - im sich eröffnenden geistigen Raum können sie als Bestandteile eines

Ganzen nebeneinander vorgestellt werden.

Bezeichnenderweise findet hier in den meisten Gesellschaften ein besonders deutlicher Einschnitt in

die Kindheitsgeschichte statt: die Einschulung zwischen dem sechsten und siebten Lebensjahr. Damit

nimmt das soziale Verhalten eine ganz besondere Dimension an, denn das Kind wird von nun an mit

Normen und Spielregeln konfrontiert, die eindeutig gesellschaftlichen Wertvorstellungen entsprechen,

weil sie sich auf Gruppen beziehen, die weit größer sind als die Familie - und verpflichtender. Auch

hier ist das abstrakte Denken die Voraussetzung, denn die Entstehung eines geistigen Raumes

ermöglicht erst den Aufbau und den Erhalt sozialer Beziehungen. Zum ersten Mal wird das Netz von

Beziehungen, in die das Kind eingebunden ist, vorstellbar - Begriffe wie "Freund", "Lehrer", "Eltern",

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© Christopher A. Weidner 2002

"Geschwister", "Schulkamerad" beginnen nun die Beziehungen zu differenzieren und erzeugen eine

Vorstellung davon, wie man selbst zwischen all diesen Menschen platziert ist.

Lektion 3: Dritter Quadrant - Leben heißt in Beziehung treten!

Der dritte Häuserquadrant steht astrologisch für unsere Art zu denken und die Begegnung mit der

Welt der anderen - die beiden Themen, die in dieser Phase der Entwicklung des Kindes angesprochen

werden. "Leben heißt in Beziehung treten" - so könnte man die Lektion dieses Quadranten betiteln.

Diese Beziehungen basieren jetzt nicht mehr nur auf körperlicher Nähe (erster Quadrant) oder

seelischer Verbundenheit (zweiter Quadrant), sondern sie können bewusst gewählt werden, und zwar

auf der Grundlage geistiger Kriterien. Wie diese Wahl ausfällt, hängt in erster Linie davon ab, was das

Kind interessant findet, wovon es sich gedanklich angezogen fühlt. In diesem Sinne lernen Kinder ab

jetzt nicht mehr so sehr durch Ausprobieren (erster Quadrant) oder Nachempfinden (zweiter

Quadrant), sondern durch gedankliche Auseinandersetzung. Das Bewusstsein seiner Selbst entsteht

(oder besser: Die Chance dazu): das Kind erlebt sich als eigene Welt und erfährt die Eigenart der

Welten der anderen, mit denen er über ein Geflecht aus sich wechselseitig bedingenden und

nährenden Beziehungen verbunden ist.

Haus [7]: Das, was ich in der Begegnung mit meiner Umwelt suche. Die grundsätzliche Qualität der

Beziehungen zu meiner Umwelt. Die Art und Weise, in der ich mich mit meiner Umwelt gedanklich

auseinandersetze. Worum sich meine Gedanken und Idee generell drehen.

Haus [8]: Die Merkmale in meiner Umwelt, die ich für mich als verbindlich erlebe. Wie bindungsfähig

ich gegenüber meiner Umwelt bin. Meine persönlichen Prinzipien und Wertvorstellungen, die ich in der

Umwelt suche. Die Eigenschaften dessen, was ich auf Grund meiner Erfahrungen für "wahr" halte.

Haus [9]: Auf welche Weise ich in Kontakt mit der Welt der anderen trete. Die geistige

Kommunikation. Unter welchen Bedingungen ich in der Lage bin, die Welt der anderen als

Erweiterung meines eigenen Horizontes zu verstehen. Was ich unter Toleranz verstehe.

Die Deutung des ersten Regelkreises: Austausch mit der Umwelt suchen.

Der erste Regelkreis bedient sich in dieser Phase ganz des dritten Quadranten und seiner Anlagen,

um die Entwicklung der Persönlichkeit zu erweitern. Das Individuum sammelt nun vornehmlich

Eindrücke, die es in seiner geistigen Entwicklung fördern und seine Fähigkeiten, in Kontakt mit der

Umwelt auf der Basis gedanklicher Auseinandersetzung, schulen. Die Begegnung mit Menschen,

ihren Gedanken und ihren Lebensweisen ist ein wichtiger "Input" - das Interesse an der Außenwelt

bestimmt, wie sich die in der zweiten Phase gewonnene Identität in Beziehung zu andren Identitäten

setzen wird.

Mond: Wie nehme ich meine Umwelt wahr, wie fühle ich mich in sie eingebettet als Ort der

Begegnung mit Menschen, Ideen und Gedanken? Welche Eindrücke gewinne ich aus den

Beziehungen? Wie nehme ich andere wahr und die Beziehungen zu anderen?

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Merkur: Nach welchen Kriterien neige ich dazu, meine Umwelt gedanklich zu bewerten? Welche

Muster finde ich in mir, die mir helfen, die Ideen und Gedanken aus meiner Umwelt zu sortieren und

zu verstehen? Welche Schlüsse neige ich aus dem, was mir begegnet, zu ziehen?

Sonne: Wie setze ich mich aktiv in Beziehung zu Umwelt? Wie verhalte ich mich grundsätzlich dabei?

Wie erlebe ich mich, wenn ich mich mit meinen Handlungen auf ein Gegenüber beziehe?

Phase 4: Ab 11 - 12 bis 16 Jahre - Abstraktion und Logik

In dieser Phase löst sich das Kind (auf der Schwelle zum Jugendlichen) ganz von der Notwendigkeit,

die Umwelt über greifbare und wahrnehmbare Tatsachen zu erfassen. Das Kind erlebt die eigene

Wirklichkeit nicht mehr als absoluten Bezugsrahmen, sondern hat erkannt, dass jeder Mensch aus

einer anderer Sicht der Wirklichkeit an die Umwelt herantritt. Stattdessen erreicht das Kind hier eine

Stufe der Abstraktion, die es ihm ermöglicht, eine ideelle Wirklichkeit anzunehmen, die einen

übergeordneten Bezugsrahmen für alle Wirklichkeiten sein kann, z.B. mathematisch-logische Gesetze

wie das Gesetz von Ursache und Wirkung. Das abstrakte Denken eröffnet dem menschlichen Geist

die Welt des Möglichen abseits des Gegebenen.

Auch das Gegenüber wird nun als etwas Eigenständiges begriffen und Kommunikation wird zur Kultur:

Kinder beginnen die Gedanken anderer Kinder zu kommentieren und sie mit den eigenen Gedanken

zu vergleichen. Gesellschaft wird thematisiert und die eigene Stellung in der Gesellschaft reflektiert,

denn nach und nach begreift der Mensch jetzt, dass er in ein System eingebettet ist, welches seine

eigene Persönlichkeit übersteigt. Dabei beginnen die Fragen nach dem Woher und Wohin, dem

Warum und Wozu des Lebens überhaupt relevant zu werden: die Beschäftigung mit Philosophie,

Religion, Kunst und Politik wird interessant.

Hier entscheidet sich auf, ob dieser überpersoÅNnliche oder transpersonale Bereich künftig als

Bedrohung oder als Chance zur Gestaltung erlebt wird, ob der Mensch sich als passives Opfer der

Umstände, in die er hineingeboren wurde, definiert oder als Individuum, das durch den Einsatz seiner

Persönlichkeit einen konstruktiven und aktiven Beitrag zur Gesellschaft leisten kann.

Dies hat natürlich einen starken Einfluss darauf, welchen Platz man für sich in der Gesellschaft

wünschen wird: so richtet sich in dieser Phase ein großer Teil der Aufmerksamkeit auch auf die

Zukunft des eigenen Lebens: die ersten Lebenspläne werden geschmiedet, Berufswünsche ernsthaft

diskutiert.

Entscheidend ist, dass in dieser Phase das gesellschaftliche Leben immer stärker in den Vordergrund

tritt - und auch erst jetzt als abstrakte Idee verstanden werden kann. Die Erfahrungswelt des

Menschen erweitert sich in diesem Lebensabschnitt gewaltig, entfernt ihn immer weiter von der

sozialen Unbedarftheit und Egozentrik des Kleinkindes hin zu einer Persönlichkeit, welche die große

Aufgabe am Horizont seiner Entwicklung aufsteigen sieht, irgendwann Verantwortung in der

Gesellschaft als einem großen, übergeordneten Ganzen zu übernehmen. Moral und Ethik spielen bei

der weiteren Entwicklung der Persönlichkeit eine entscheidende Rolle, denn es entwickelt sich eine

Vorstellung davon, wie die eigenen Absichten und die daraus resultierenden Handlungen Einfluss auf

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© Christopher A. Weidner 2002

andere Menschen nehmen können - auch über die Reichweite des unmittelbaren persönlichen

Einflusses hinaus. Das Kind beginnt die moralischen Normen der Eltern zu hinterfragen und eine

moralische Autonomie aufzubauen: Autoritätskonflikte sind programmiert, denn Gerechtigkeit ist

ebenfalls zu einem abstrakten Prinzip geworden, welches sich nicht mehr blind an den Weisungen der

Eltern ausrichtet, sondern an allgemeinen Maximen, denen auch die Eltern unterworfen sind. In dieser

Spannung zwischen Fremdbestimmung und Eigenverantwortung wird das Fundament für alle weiteren

Entwicklungen des künftigen Erwachsenen gelegt.

Mit dieser Phase kann die Kindheit im engeren Sinne als abgeschlossen betrachtet werden - die

Schwelle zum Erwachsensein ist erreicht.

Lektion 4: Vierter Quadrant - Finde Deinen Platz in der Gesellschaft!

Der vierte Häuserquadrant steht in enger Verbindung den transpersonalen Themen in unserem

Leben. Deshalb erhält er auch erst in dieser Lebensphase, in der wir einen Zugang zu diesen Themen

finden können, eine konkrete Bedeutung für uns: erst jetzt sind wir in der Lage zu begreifen, dass der

gesellschaftliche Bereich ebenso von uns gestaltet werden kann, wie der persönliche (zweiter

Quadrant) Bereich und unsere unmittelbare Umwelt (dritter Quadrant). Zugleich bleibt er ein Bereich

unseres Lebens, der uns die Wahl zwischen aktiver Teilnahme und passiven Erdulden dessen, was

uns dort geschieht, offen lässt. In dieser Lebensphase werden die Weichen hinsichtlich unseres

Platzes in der Gesellscaft gestellt - das heißt: hier entscheidet sich, ob wir den inneren Ruf auch zu

unserer Berufung machen werden oder uns einer Bestimmung beugen, die uns von außen

aufgedrückt wird.

Haus [10]: Die Berufung, auf die hin ich mich in meinem Leben orientieren möchte, der Sinn meines

Lebens. Meine Fähigkeit, mit den Normen und Spielregeln der Gesellschaft, in der ich lebe,

auszukommen. Die Bedeutung, die ich in der Gesellschaft gerne einnehmen möchte.

Haus [11]: Wie ich meinen Platz in der Gesellschaft individuell ausfülle. Wo ich mit den Normen und

Spielregeln der Gesellschaft nicht zurechtkomme, weil ich als Individuum von ihre abweiche. Mein

Anderssein.

Haus [12]: Wie ich von der Gesellschaft gesehen werde, wie ich in ihr auftrete. Der Blick der

Gesellschaft auf meine Leben und wie ich damit umgehe, gesehen zu werden: ob ich ihn genieße

oder ob ich ihn meide. Wie ich mich frei machen kann von den Konventionen der Gesellschaft.

Die Deutung des ersten Regelkreises: Eine gesellschaftliche Bedeutung

aufbauen.

In der Konsequenz liegt der Tenor der Interpretation des ersten Regelkreises in diesem

Lebensabschnitt auch auf transpersonalen Themen: die bis dahin gereifte Persönlichkeit sucht nun

nach Erkenntnissen, die ihr helfen können, den Aktionsradius auf den gesellschaftlichen Bereich

auszudehnen. In dieser Phase testen wir aus, wie gut wir mit Themen umgehen können, die unsere

Christopher A. Weidner – Die Entwicklung des Kindes Seite 14 von 14

© Christopher A. Weidner 2002

Persönlichkeit übersteigen - und schließlich entscheiden wir auf der Grundlage dieser Erfahrungen, ob

wir unsere Persönlichkeit aktiv einsetzen wollen oder lieber passiv im Hintergrund bleiben.

Mond: Wie empfinde ich mich in diese Gesellschaft mit ihren sozialen und kulturellen Normen

eingebettet? Welchen Eindruck habe ich von dieser Gesellschaft? Wie geht es mir damit, in der

Gesellschaft eine Rolle zu spielen?

Merkur: Wie beurteile ich meine Rolle in der Gesellschaft? Welche Kriterien helfen mir,

gesellschaftliche Prozesse zu verstehen? Wie organisiere ich meinen Zugang zur Gesellschaft?

Sonne: Wie setze ich mich aktiv in Beziehung zur Gesellschaft? Wie verhalte ich mich in

gesellschaftlichen oder anderen übergeordneten Zusammenhängen? Wie erlebe ich mich, wenn ich

mich mit meinen Handlungen auf die Verwirklichung meiner Bedeutung in der Gesellschaft beziehe?


 

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