PDF* Die vielen Gesichter der Sonne
Die vielen Gesichter der Sonne
Das wahre Gesicht – das Gesicht wahren
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Christopher A. Weidner – Die vielen Gesichter der Sonne Seite 1 von 8
© Christopher A. Weidner 2002
Christopher A. Weidner
Die vielen Gesichter der Sonne
die sonne scheint zu leuchten,
reflektierten die planeten.
hell zu leuchten, dachten sie
und drehten sich im kreise.
wir sind anders. das ahnten sie
dunkel und wandten sich
tatsächlich finster ab.
Marcus Brühl
Das wahre Gesicht – das Gesicht wahren
Vielleicht kennen Sie Situationen wie diese: Sie sind verärgert, weil Sie sich respektlos behandelt
fühlen. Deutlich spüren Sie in sich das Bedürfnis, Ihrem Ärger Luft zu machen – und dann machen Sie
doch gute Miene zum bösen Spiel. Oder Sie geraten ins Kreuzfeuer der Kritik, und fühlen sich
eigentlich hilflos, reumütig – anstatt dessen zeigen Sie ein gelassenes, „cooles“ Gesicht, als ob Ihnen
die Kritik der Anderen nichts anhaben könnte.
Nicht, dass wir uns dabei wohl fühlen würde, wenn wir merken, dass wir uns anders geben, als wir
eigentlich fühlen. Im Gegenteil: Wir spüren deutlich, dass das Aufrechterhalten dieser Fassade große
Kraft kostet.
Die Frage ist: Warum verhalten wir uns in vielen Situationen nicht so, wie wir es eigentlich empfinden?
Warum zeigen wir in solchen Situationen ein anderes Gesicht als das, welches eigentlich unserem
Bedürfnis im Augenblick entspricht?
Gerade in Situationen, die uns selbst in Frage stellen und die mit einer Störung unseres inneren
Gleichgewichts verbunden sind, tendieren wir dazu, unser Verhalten darauf auszurichten, jede
Erschütterung aufzufangen und Stabilität wieder herzustellen. Wir wollen, dass die Dinge so bleiben,
wie sie sind, und wehren um jeden Preis Verwirrung ab. Anstatt unser wahres Gesicht zu zeigen,
wahren wir unser Gesicht um jeden Preis.
Christopher A. Weidner – Die vielen Gesichter der Sonne Seite 2 von 8
© Christopher A. Weidner 2002
Gesichtskontrolle
Manche Emotionen (von lat. e-movere, „sich heraus bewegen“) , die sich einen Weg an die
Oberfläche unseres Lebens bahnen wollen, werden nicht selten zur Bedrohung dieser Stabilität. Im
Laufe unseres Lebens haben gelernt, innere Überzeugungen zu entwickeln, die darauf aufpassen,
dass nichts Unkontrolliertes aus uns hervorbricht. Diese Überzeugungen sind wie Türsteher, denen
wir beigebracht haben, unsere inneren Gesichter in Schach zu halten: sie sollen Sorge tragen, dass
unser eigentlich ärgerliches, hilfloses, trauriges, verzweifeltes oder auch liebevolles und zärtliches
Gesicht keine Chance hat, sich zu offenbaren. Ihnen haben wir beigebracht, welche dieser Gesichter
in uns „gut“ und uns deshalb willkommen sind, und welche „schlecht“ sind, so dass sie die
Gesichtskontrolle nach draußen nicht bestehen werden.
Warum aber kontrollieren wir unsere Gesichter und schließen viele von ihnen aus, indem wir sie in
eine Art emotionales Gefängnis einschließen?
Jeder von uns möchte im Grunde seines Herzens ein guter Mensch sein. Wir möchten akzeptiert
werden von unserer Umwelt, möchten Anerkennung finden und respektvoll aufgenommen werden.
Wenn gut sein aber für uns bedeutet, Anderen gerecht zu werden, weil Andere uns sonst für
selbstgerecht halten könnten, obwohl wir eigentlich nur uns selbst gerecht werden wollen, dann
geschieht es schon mal, dass wir nicht unserem Drang nach Selbstausdruck folgen, sondern erst auf
die Zustimmung unserer Umwelt schielen. Wir fragen uns nicht, ob mir etwas gut tut, sondern ob
Andere mein Tun gut heißen – mein Partner, meine Eltern, meine Vorgesetzte, mein Lehrer, meine
Nachbarin: sie werden zum Maßstab meines Lebens.
Der „gute Mensch“, der wir dann sind, ist ein Produkt unserer Selbstaufgabe. Er hat nicht viel mit
unserem Selbst zu tun, sondern nur mit dem, was wir Anderen glauben zeigen zu dürfen. Die vielen
anderen Gesichter in uns, die wir geknebelt im Dunkeln unseres emotionalen Gefängnisses verborgen
halten, sind jedoch ein stummes Zeugnis dafür, in der Entfaltung unserer Persönlichkeit versagt zu
haben. Das spüren wir, und deshalb sammeln sich Spuren des Misserfolgs in uns an, mit jeder
Situation, in der wir nach den Anweisungen anderer leben, nur um niemanden zu enttäuschen oder zu
verletzen.
Unsere Frage muss deshalb lauten: Wie können wir aufhören, ein guter Mensch sein zu müssen, und
wie können wir anfangen, unser Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen?
Die Sonne – Vielfalt statt Einfalt
Wenn es darum geht, unser Selbst mit all seinen Möglichkeiten wieder scheinen zu lassen, gibt es
kein anderes astrologisches Prinzip, mit dem wir besser beraten sind, als die Sonne. Sie ist – und
daran besteht kein Zweifel – das strahlendeste Wesen in unserem Horoskop. Neben ihr verblassen
alle, sie steht unangefochten im Mittelpunkt des Geschehens.
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© Christopher A. Weidner 2002
Die Symbolik der Sonne spricht eine klare und unmissverständliche Sprache: ihre Wärme und ihr Licht
sind die Grundlage alles Lebens, das sich entlang des Rhythmus der beiden Sonnenzyklen von Jahr
und Tag entfaltet. Werden, Leben und Vergehen – all dies hängt von ihr ab. Aus ihrer Mitte strahlt sie
ohne Unterlass ihre Energie nach alle Richtungen, um die Welt um sich herum am Leben zu erhalten
und zu gestalten. Ihr Licht gibt den Planeten Glanz und auch hier auf der Erde bringt erst dieses Licht
die Vielfalt des Lebendigen zu Tage. Das farblose Sonnenlicht wird von den Dingen unterschiedlich
reflektiert und lässt so das Spiel der Farben um uns herum entstehen.
Die astrologische Sonne ist eine Allegorie auf das Wesen des Tagesgestirns. So wie die Sonne am
Himmel es an den Tag bringt, kehrt die Sonne im Horoskop unser Innerstes nach außen, macht
unsere Eigenart sichtbar. Sie zeigt, was in uns steckt, und steht für den Ausdruck der Vielfalt unserer
einzigartigen Persönlichkeit – mehr noch: für unsere Fähigkeit, aktiv in die Gestaltung der Welt
einzugreifen, um ihr den Stempel unserer Persönlichkeit aufzudrücken.
Die Stellung der Sonne erzählt uns also etwas darüber, wie wir das, was wir in uns empfinden, nach
außen transportieren und sichtbar machen können. Sie zeigt uns, auf welche Weise dies am besten
gelingen wird und welche Bereiche unseres Lebens die optimalen Bedingungen bieten, das
auszudrücken, was wir in uns empfinden.
Die Sonne ist unsere Wesensmitte, „unser Persönlichkeitskern, in welchem wir die verschiedenen
Teilkomponenten, Teil-Ichs oder Einzelstrebungen unseres Wesens … zu vereinen suchen“, erfahren
wir von Fritz Riemann.1 Tatsächlich vermittelt uns die Sonne ein Gefühl von Identität, d.h. das Gefühl
dafür, eine Person zu sein, die einen autonomen Zugang zur Welt hat. Doch manchmal glauben wir,
dass dies bedeutet, eine einheitliche Person zu sein, also jemand, der sich als stabile Persönlichkeit
vor seiner Umwelt dadurch bewährt, dass er immer die gleichen und nach Möglichkeit vorbildlichen
Verhaltensweisen an den Tag legt. Wir glauben dann, dass Identität sich darin offenbart, eine
bestimmte Rolle spielen zu können, die den Anforderungen der Umwelt gerecht wird.
Und in diese einheitliche Rolle passen natürlich nicht alle Gesichter, die wir in uns tragen, hinein. Wir
beschränken die Vielfalt an Möglichkeiten unseres Selbstausdruckes – und landen bei der Einfalt, mit
der es sich sicherlich sehr bequem leben lässt. Zumindest reduziert es das Konfliktpotenzial mit
unserer Umwelt, die uns immer von der gleichen Perspektive zu sehen bekommt und deshalb keine
Angst haben muss, dass wir aus dem Rahmen fallen werden.
Ich glaube aber, dass das Wesen der Sonne nicht in der Vereinheitlichung unseres Ausdrucks liegt,
sondern im Ausdruck unserer Einzigartigkeit als Merkmal der Vielfalt! Sonne heißt nicht Selbst-
Beschränkung, sondern Selbst-Entfaltung – so wie die Strahlen in der Mitte ihren Anfang nehmen und
in alle Richtungen des Lebens weisen.
1 Riemann, Fritz: Lebenshilfe Astrologie. Gedanken und Erfahrungen. Stuttgart 1999. S. 157
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Der Kreis der Möglichkeiten
Das alte, schlichte Symbol der Sonne – ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte – enthält im Grunde
Alles, was wir über die Sonne wissen müssen.
Denken wir uns in den Mittelpunkt eines Kreises und stellen uns vor, dass dieser Kreis unseren
Handlungshorizont markiert: er steckt die Grenzen des Reiches ab, über das wir als Schöpfer unserer
Wirklichkeit herrschen. Von uns als Mittelpunkt der Welt gehen unsere Absichten wie Strahlen in alle
Richtungen aus. Das Besondere an einem Kreis ist, dass er aus unendlich vielen Punkten aufgebaut
ist. Wenn es also nach der Sonne geht, besitzen wir unendlich viele Möglichkeiten, uns in der Welt
auszudrücken.
Wir können uns auch vorstellen, dass der Kreis, der uns von allen Seiten umgibt, wie eine Membran
ist, die unser Innenleben von der Außenwelt abgrenzt, aber auch den Kontakt zwischen Innen und
Außen überhaupt erst ermöglicht. Wenn jeder Punkt auf dem Kreis eine Möglichkeit darstellt, der
Umwelt zu begegnen, besitzen wir unendlich viele Formen, uns selbst darzustellen.
Wenn ich das Bild von den Gesichtern aufgreife, dann ist diese Membran die Projektionsfläche für alle
unsere Gesichter, die in uns stecken. Sie ist die Leinwand für unsere Bedürfnisse, Hoffnungen,
Wünsche und Absichten. Unsere Umwelt sieht von außen auf diese Leinwand und nimmt wahr, was
wir von innen auf diese projizieren.
Während am Anfang unseres Lebens es hauptsächlich Menschen um uns herum waren, die als
Autoritäten die Gesichter unseres Filmes zensierten, haben wir heute vielfach schon die Gewohnheit
der Selbstzensur integriert. Während andere von außen viele Flächen der Leinwand zuklebten, kleben
wir sie von innen zu – das Ergebnis ist dasselbe: wir zeigen nur einen bescheidenen Ausschnitt
dessen, was wir in Wirklichkeit sind.
Man könnte auch sagen, dass aus der an sich durchlässigen Membran eine starre Mauer mit festen
Ein- und Ausgängen und strenger Gesichtskontrolle geworden ist: Jede Bewegung von Innen nach
Außen wird nun streng von dem überwacht, was wir für richtig halten oder was andere uns als richtig
verkaufen.
Sich selbst genug sein
Wenn wir uns mit nur mit Teilen unserer Persönlichkeit identifizieren, dann haben wir die Hoffnung
aufgegeben, wir selbst zu sein, und beginnen, uns selbst genug zu sein. Das heißt im Klartext: Wir
haben aufgehört, uns selbst als schöpferisches Wesen zu verstehen, das nicht nur die Welt um sich
herum jeden Tag aufs Neue gestalten kann, sondern seine Kreativität auch auf sich selbst ausrichten
kann, um sich so jeden Tag neu zu definieren.
Unter diesen Gesichtspunkten mag sich jemand vielleicht deshalb als „Persönlichkeit“ empfinden, weil
er immer gleich auf Impulse aus seiner Umwelt reagiert. Er mag diese maßgeschneiderte Auswahl an
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alltagstauglichen Gesichtern für das Kennzeichen eines „guten Menschen“ halten. Er empfindet
möglicherweise diese Stabilität seines Selbstausdrucks als Fundament seiner Individualität und
Integrität seiner Persönlichkeit, und mit einigem Stolz kann er von sich sagen: „Ich bin so, wie ich bin!“
Dieser Satz fällt immer dann, wenn Menschen sich nicht verändern wollen, wenn sie keine Lust
haben, aus alten Mustern auszusteigen und etwas Neues auszuprobieren. Dieser Satz ist wie das
selbst verhängte Urteil, sich von jedem Prozess zur Entwicklung der Persönlichkeit abzuschneiden. Es
ist die Absage an Veränderung und Transformation.
Einige glauben vielleicht sogar, mit diesem Satz die Ansprüche der Umwelt an ihre Person
abzuwehren, denn wer nun mal so ist, von dem kann man auch unmöglich erwarten, dass er über
seinen Schatten springt. Es ist nicht nur eine Absage an Veränderung, sondern auch eine Absage an
die Bedürfnisse der Umwelt, die nun darauf verwiesen wird, sich mit dem zu begnügen, was man ihr
anzubieten hat und nichts weiter zu erwarten – ganz so, wie man auch sich selbst genug geworden ist
und auch von sich selbst nichts mehr erwartet.
Sich selbst genug sein – das ist die Freikarte für den Ego-Trip.
Sei du selbst!
Aber ging es nicht gerade darum, zu begreifen, nicht mehr nach den Anweisungen Anderer zu leben?
Natürlich. Doch liegt hier eine Verwechslung vor: Es ging nicht darum, sich vor der Umwelt zu
schützen und sich ihr gegenüber hart und kalt zu machen. Es ging nicht um Egoismus! Es ging darum,
zu begreifen, wie uns die Ansprüche unserer Umwelt formen können und uns dadurch blockieren, aus
der Vielfalt unseres Potenzials zu schöpfen, und uns zwingen, anstatt viele Gesichter zu zeigen, nur
einige angepasste Masken vor uns her zu tragen, vielleicht weil sie für unsere Umwelt angenehmer
sind.
Worum es in Wirklichkeit geht, ist die Bedürfnisse unserer Umwelt nicht als Befehl zu verstehen, uns
auf irgendeine bestimmte Art und Weise zu verhalten, sondern als Impulse zur schöpferischen
Handlung – als Aufforderung, uns einzubringen. In dem Maße, in dem wir aktiv zum Wachstum
unserer Umwelt beitragen, werden wir auch selbst wachsen. Dazu ist es nicht nötig, andere mit
schönen Fassaden zu täuschen und unsere wahren Gesichter zu verbergen – vielmehr müssen wir in
Kontakt mit unserem Selbst stehen, mit dem Punkt in der Mitte des Kreises und von dort aus unsere
Energie nach außen strahlen lassen.
Im Kontakt mit unserer schöpferischen Mitte werden unsere Handlungen die Sprache unserer
einmaligen Persönlichkeit sprechen und nicht die des Versuchs, eine immer unzulängliche Kopie des
„guten Menschen“ zu sein. Wenn es uns gelingt, anderen Menschen unsere Einzigartigkeit
mitzuteilen, werden wir möglicherweise einige Menschen enttäuschen, weil wir ihnen anstatt unserer
angepassten Fassade nun unser wahres Gesicht zeigen. Vielleicht sagen wir auf einmal laut „Nein!“,
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wo wir früher allzu schnell „Ja“ gesagt haben. Aber dieses klare Nein wertet uns nicht länger ab,
sondern es macht den Weg endlich frei für ein ehrliches Ja.
Die Spiegel der Planeten
Die Sonne ist bei ihrer Aufgabe, uns auf dem Weg zum Selbst-Sein zu begleiten, nicht alleine. Die
Planeten umkreisen sie und reflektieren jeder auf seine Weise das Licht des Zentralgestirns: an ihren
unterschiedlichen Oberflächen bricht sich das reine Sonnenlicht und lässt immer andere Fassetten
seines Spektrums sichtbar werden. Man könnte auch sagen, dass die Planeten symbolisch für die
Vielfalt unseres Selbstausdruckes stehen. Wenn wir uns geschwächt sehen und uns als Persönlichkeit
auf bestimmte Veraltensweisen reduziert fühlen, dann könnte ein Blick auf die Positionen der Planeten
in unserem Horoskop uns helfen, neue Wege zu gehen.
Vielleicht stellen wir dann fest, dass bestimmte Planeten unseren fest gefahrenen Rollen eher
entsprechen und andere uns nicht so vertraut sind, und daher einen Hinweis auf die Gesichter liefern,
die wir bislang nur ungern gezeigt haben oder die wir sogar vergessen haben. Vielleicht merken wir,
dass wir bestimmte Prinzipien in den Planeten ablehnen und so wichtige Teile unseres Potenzials an
Selbstausdruck unterdrücken. Die Planeten sind wie verschieden gefärbte Spiegel, in denen ein Teil
unseres Lichtes reflektiert wird: sie blenden bestimmte Spektren unserer Persönlichkeit aus, um
andere deutlicher zum Vorschein kommen zu lassen. In ihrem Spiegel erleben wir, wie viele
verschiedenen Gesichter wir in uns tragen – und welche wir davon gerne zeigen und welche nicht.
Wenn wir unser Verhältnis zu den Prinzipien der Planeten prüfen, hilft uns dies, ein klareres Bild
unserer gegenwärtigen Situation zu beschreiben und uns deutlich zu machen, welche Bedürfnisse wir
im Augenblick wirklich haben. Wenn wir dann neues Licht auf diese Planeten werfen und beginnen,
sie als einen wichtigen Teil von uns zu akzeptieren, werden wir feststellen, dass jeder auf seine Weise
ein Bündel an Fähigkeiten mitbringt, das uns auf dem Weg zu mehr Authentizität und Vielfalt den
Rücken stärken kann. Jeder Planet ist eine Kraftquelle, die wir nutzen können, um erfolgreich das zu
werden, was wir sind.
• Mond hat einen großen Spiegel, der unseren Blick auf unsere innere Landschaft richtet. Hier
finden wir die Bilder, in denen sich unsere Hoffnungen, Wünsche und Träume über unser Leben
kleiden. Der Mond-Spiegel hilft, unsere Gefühle wahrzunehmen und zeigt uns, was wir brauchen,
um uns in der Welt wirklich wohl zu fühlen.
• Merkurs Spiegel bringt uns in Kontakt mit der Fähigkeit zur Analyse. Hier finden wir Raum zum
Nachdenken über unsere Situation, und er zeigt viele Wege, die nach Rom führen und dass wir
nicht auf eine bestimmte Art und Weise zu denken, fühlen und unser Leben zu betrachten
festgelegt sind.
• Venus zeigt uns, wie wichtig es ist offen zu sein für Andere und bestärkt uns darin, den Austausch
mit unserer Umwelt zu suchen, um immer wieder Gelegenheiten zu haben, unseren
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Selbstausdruck zu üben und zu trainieren. In ihrem Spiegel erkennen wir, dass wir auch sehr
weiche, liebevolle Gesichter in uns tragen, die voller Verständnis für die Menschen in unserem
Umfeld sein können.
• Mars hilft uns, Herausforderungen anzunehmen und dort, wo es nötig ist, aktiv einzugreifen, um
unsere Bedürfnisse durchzusetzen. Ein Blick in seinen Spiegel zeigt uns unser mutiges Gesicht,
und Mut brauchen wir, um den ersten Schritt zu tun, wenn wir auf dem Weg zur Selbstentfaltung
in Situationen geraten, die uns vielleicht Angst machen, weil sie eine Türe in neue und
unbekannte Richtung öffnen.
• Im Spiegel des Jupiter erstrahlt unser Gesicht voller Selbstvertrauen und Zuversicht. Viele
Menschen glauben, dass sie gar nicht wachsen dürfen, weil sie das Gefühl haben, keine
Ansprüche stellen zu dürfen. Jupiter gibt uns das Recht wieder, uns zu entfalten und den Raum
einzunehmen, der uns zusteht.
• Saturn ist ein starker Begleiter für alle, die Schwierigkeiten haben, sich von den Anforderungen
der Umwelt abzugrenzen. Wenn wir in seinen Spiegel blicken, können wir unsere Bedürfnisse als
klare Maßstäben erkennen, um herauszufinden, welche Situationen für uns gerade richtig und
wichtig sind und welche nicht. So hilft uns Saturn, zur richtigen Zeit und an der richtigen Stelle
Nein oder Ja zu sagen.
• Uranus ist der Planet, der uns am stärksten mit unserem Wunsch nach Veränderung in Kontakt
bringt. Wenn wir in seinen Spiegel blicken, dann sehen wir unser wild entschlossenes Gesicht, es
Alles besser und vor allen Dingen anders zu machen. Das kann uns helfen, gerade diejenigen
Entwicklungen in unserem Leben, die auf Umbruchsituationen hinweisen, nicht mehr als
Bedrohung zu erleben, sondern als Chance, sich selbst neu zu definieren.2
• Neptuns Spiegel zeigt uns ein Gesicht, in dem wir uns als konturlos und formlos erleben werden.
In ihm sind wir ungeprägte und voller unbegrenzter Möglichkeiten steckende Wesen. Ein Blick auf
dieses Gesicht wird uns helfen, den Glauben wieder zu gewinnen, dass wir wirklich viele sind!
• Plutos Spiegel ist wie ein Brennglas, der das einfallende Licht bündelt und das Energieniveau
drastisch erhöht. Hier sehen wir unser faszinierendes, von den eigenen Visionen uneingeschränkt
beflügeltes Gesicht. Dieser Blick gibt uns die Kraft, über den eigenen Schatten zu springen, und
sogar in Momenten des größten Verlustes wieder Macht über unser Leben zu gewinnen.
2 Gerade das Symbol des Uranus als Pfeil auf dem Sonne-Symbol ø spricht Bände: Es ist das Schlüsselprinzip,
um aus dem emotionalen Gefängnis unsere Gewohnheiten und Überzeugungen auszubrechen. Als
transpersonales Prinzip aber hat Uranus nicht selten die Funktion, uns ohne Warnung in Situationen zu bringen,
die uns unfreiwillig zu einer Kehrtwende im Leben zwingen. Für viele Menschen ist das der einzige Anlass sich zu
verändern. Doch diese Schicksalhaftigkeit ist kein Muss.
Christopher A. Weidner – Die vielen Gesichter der Sonne Seite 8 von 8
© Christopher A. Weidner 2002
An der Tafelrunde des Lebens
„Der Mensch will der Selbstgestalter seines Schicksals sein“, so lesen wir bei Fritz Riemann.3 Doch
solange wir glauben, dass wir zugunsten der Einheitlichkeit unseres Lebens auf die Vielfalt unserer
Gesichter in uns verzichten müssen, sind und bleiben wir Produkt des Schicksals. Wenn wir wieder
Verantwortung für unser Leben übernehmen wollen, müssen wir beginnen die Mauern unseres
inneren Gefängnisses einzureißen und die vielen Gesichter darinnen frei zu lassen. Wir müssen
beginnen, diese Vielfalt als Chance und nicht als Bedrohung zu erfahren. Wir müssen uns trauen, die
Büchse der Pandora zu öffnen, sodass jene Teile in uns ihre Stimme erheben können, für deren
Bedürfnisse wir bislang glaubten, keinen Platz an der Tafelrunde unseres Lebens zu haben.
Das mag riskant sein, denn es gibt keine Garantie, dass es uns hundertprozentig gelingen wird. Aber
wir können beginnen, von nun an in jeder Situation uns das Recht zu geben, selbst zu entscheiden,
was angemessen ist, anstatt nach Regeln zu leben, die für alle Zeit gültig sein sollen.
Virginia Satir schreibt in ihrem Buch „Meine vielen Gesichter“ dazu: „Jeder von uns kann – unabhängig
vom Alter – immer noch Neues ins ich entdecken. Damit wird unser Leben für uns und für andere
interessant. In dem Maße, in dem wir uns selbst mit all unseren Teilen akzeptieren, werden wir eine
abgerundete Persönlichkeit, sie zu sich selbst liebevoll ist und dadurch auch anderen offener und
liebevoller begegnen kann. Die Herausforderungen, denen wir uns zu stellen haben, können wir zu
schöpferischen Abenteuern werden lassen. Das geht nicht immer schmerzlos, aber es verspricht ein
zufriedenstellenderes Ergebnis.“4
Am Ende geht es darum, all die Situationen willkommen zu heißen, und sogar aufzusuchen, die uns
verwirren und unsere Stabilität erschüttern – denn sie sind die Schlüssel zur Transformation unserer
Persönlichkeit.
Wenn wir künftig die Sonne in unserem Horoskop betrachten, könnten wir sie unter diesem
Gesichtspunkt vielleicht nicht mehr so sehr als Kristallisationspunkt unseres Verhaltens sehen,
sondern als Zentrale, aus deren Mitte wir die Kraft schöpfen, eine Wirklichkeit aufzubauen, in der
Herausforderungen schöpferische Abenteuer sind, zu denen wir aufbrechen, um unser Leben selbst in
die Hand zu nehmen.
3 Riemann, ebd. S.159
4 Satir, Virginia: Meine vielen Gesichter. Wer bin ich wirklich? München 2001. S.115


