Get Adobe Flash player
SCHON GESEHEN ?
Banner

ANMELDUNG

Benutzername

Passwort

Angemeldet bleiben

BESUCHER
Wir haben 6 Gäste online
BEITRAG SUCHEN
Start Astrologie Allgemein PDF* Chiron – seine Deutung ...

PDF* Chiron – seine Deutung und Bedeutung im Horoskop

Chiron – seine Deutung und Bedeutung im Horoskop

Die Kentauren

Zu besseren Lesbarkeit steht Ihnen eine PDF Datei zur Verfügung klicken Sie dazu auf folgenden Link *zur PDF Datei...*

 

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 1 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

Chiron – seine Deutung und Bedeutung im Horoskop

Von Christopher A. Weidner

(Auszug aus dem Buch „Das Arbeitsbuch zum Horoskop“,

erschienen als Knaur Taschenbuch)

Die Kentauren

Chiron ist in der Astrologie schon lange kein Unbekannter mehr: zahllose Publikationen

säumen seinen Weg in die Deutungspraxis der Astrologen. Aber wer ist Chiron? Aus

astronomischer Sicht handelt es sich um einen Kleinplaneten aus der Gruppe der Kentauren

– ungewöhnliche planetenartige Objekte, die in sehr unterschiedlichen und teils stark

elliptischen Bahnen zwischen Saturn und Pluto ihre Kreise ziehen. Sie wurden aufgrund ihrer

Doppeldeutigkeit – sie sind weder richtige Asteroiden noch richtige Kometen – nach den

mythologischen Zwitterwesen benannt: halb Pferd, halb Mensch. Möglicherweise handelt es

sich um eingefangene Kometen oder aber sie entstammen einer entlegenen Region jenseits

der Plutosphäre und wurden durch die Gravitationskräfte des Riesenplaneten Neptun in das

Innere des Sonnensystems gezerrt, wo sie bis heute geblieben sind. Zumeist kreuzen sie die

Bahnen der Hauptplaneten und schlagen so Brücken zwischen ihnen – was auch der

Schlüssel für ihre astrologische Bedeutung ist.

Chiron ist der erste Kentaur und wurde 1977 entdeckt. In den 1990ern kam es bis heute zu

weiteren Entdeckungen und bislang sind achtzehn Kentauren bekannt (Stand Mai 2000), von

denen nun sechs einen Namen tragen. Die Namensgebung erfolgte (bis auf Chiron selbst)

auf eine Initiative von Astrologen, welche die mythologische Reihe der Kentauren fortsetzen

wollen. Zugleich soll durch die Taufe des Kleinplaneten gewissermaßen auch seine

astrologische Bedeutung geboren werden, so wie sich auch die Bedeutung der klassischen

Planeten in den Eigenschaften der Gottheiten widerspiegelt, nach denen sie benannt sind.

Getauftes Gestein

Damit jedoch tut sich ein Problem auf: Die Namen der klassischen Planeten kamen nicht

durch Taufe zustande, sondern sie wurden den Himmelskörpern aufgrund ihrer sichtbaren

Eigenschaften verliehen – der rote Planet wurde zu Mars, weil er mit seiner Farbe an das

Blut des Schlachtfeldes erinnerte, der strahlende Morgenstern trug den Namen der Venus,

weil er mit seiner Schönheit der gleichnamigen Göttin huldigte etc. Stets ergab sich der

Name aus der Anschauung des Himmels, an der sich auch die astrologische Bedeutung

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 2 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

orientiert: die mythologische Bedeutung eines Planeten war nicht ausschlaggebend für die

Deutung im Horoskop, sie fiel lediglich mit ihr zusammen. So erscheint es zunächst

merkwürdig, dass eine Handvoll Astrologen bestimmen, was ein Kleinplanet zu bedeuten

habe, indem sie ihn mythologisch etikettieren und aus dem Mythos eine allgemein

verbindliche Deutung destillieren wollen.

Die Taufe eines Planeten findet seine Vorläufer in den Namen der drei Transsaturnier

Uranus, Neptun und Pluto. Im Gegensatz zu den Kentauren aber verfügen wir heute über

ausreichend Erfahrung in der astrologischen Deutungspraxis, so dass wir ihre Bedeutung

besser einschätzen können und auch überprüfen können, inwieweit ihre Namen mit den

Phänomenen, die sie auslösen, übereinstimmen. Dabei hat sich gezeigt, dass weniger der

Name selbst der Schlüssel zur Deutung der neuen Planeten ist als vielmehr der historische

Moment, in den ihre Entdeckung eingebettet war.

Die astrologische Bedeutung

Eine Bedeutung der Kleinplaneten sollte sich meiner Auffassung nach in erster Linie nicht

am Namen aufhängen, sondern auf Beobachtung beruhen und der Frage nachgehen:

Welcher geschichtliche Augenblick spiegelt sich in seiner Entdeckung?

Eine weitere Möglichkeit, sich mit dem Wesen eines neu entdeckten Planeten

auseinanderzusetzen, besteht in der Analyse seines Entdeckungshoroskops. Dank der

akribischen Sorgfalt in der modernen Himmelsbeobachtung, verfügen wir über präzise

Angaben, die uns die Erstellung eines Horoskops ermöglichen. Der Gedanke ist einfach und

wurzelt zutiefst in astrologischer Anschauung: Die erste Sichtung eines Himmelskörpers

kann mit dem Geburtsmoment verglichen werden – der Planet tritt an das Licht der Welt und

damit in unser Bewusstsein. Eine besondere Bedeutung dürfte dem Aszendentenzeichen

eines solchen Entdeckungshoroskops zukommen, denn es verrät uns, was dieser Planet hier

will!

Natürlich darf auch der astronomische Standpunkt nicht zu kurz kommen, und so sind sich

bislang alle Kentauren-Forscher einig, dass der besonderen Bahnlage eines jeden

Kentauren eine wichtige Rolle in der Beschreibung seines Charakters zukommt. Jeder

Kentaur verbindet nämlich durch seine elliptische Bahn die Sphären der Planeten von Saturn

bis Pluto – sie schlagen eine Brücke zwischen der alten Grenze der klassischen Siebenheit,

die mit Saturn vor der Entdeckung des Uranus abgeschlossen war, und den neuen Planeten:

zwischen den sichtbaren und den unsichtbaren oder nur mit Teleskopen sichtbaren

Wandelsternen.

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 3 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

Die mythologischen Kentauren mit dem Unterleib eines Pferdes und dem Oberkörper eines

Menschen vereinen in ihrer Gestalt die Welt des Tierischen und der Welt des Menschlichen.

Damit verkörpern sie den Zwiespalt zwischen jenen instinkthaften Teilen in uns, die wir mit

allen Menschen teilen, ob wir das wollen oder nicht, und den Teilen unserer Persönlichkeit,

die unsere Individualität ausmachen.

So ergibt sich für jeden Kentaur eine Konstellation, gebildet aus den Planeten, deren

Sphären er verbindet. (Eine Ausnahme bildet Chariklo: Sie verlässt die Sphäre des Uranus

nicht).

Zusammengefasst können folgende Kriterien uns Aufschluss über das Wesen eines

Kentaurs geben:

• der geschichtliche Moment seiner Entdeckung

• das Horoskop seiner Entdeckung

• die Konstellation der Planeten, welche er durch seine Umlaufbahn verbindet

• sein mythologischer Name.

Hier eine Übersicht über die wesentlichen Fakten der sechs bislang benannten Planeten:

Name Umlaufzeit Jahr der

Entdeckung Aszendent Brücke zwischen …

Chiron 50 Jahre 1977 26°05‘ Schütze Saturn Uranus

Pholus 92 Jahre 1992 05°40‘ Skorpion Saturn Pluto

Nessus 122 Jahre 1993 07°55‘ Steinbock Uranus Pluto

Hylonome 124 Jahre 1995 27°37‘ Skorpion Neptun Pluto

Asbolus 77 Jahre 1995 27°31‘ Steinbock Saturn Neptun

Chariklo 62 Jahre 1997 18°19‘ Jungfrau Uranus

Tabelle 1: Die sechs getauften Kentauren.

Die Sage von Chiron

Kehren wir zu Chiron zurück, der unter allen eine ganz besondere Stellung einnimmt –

schließlich bildete er den Auftakt der Kentauren, und einem alten astrologischen Grundsatz

zufolge spiegelt sich in ihm als Erstem seiner Art das grundsätzliche Wesen aller

Nachfolgenden.

Hören wir dazu seine Geschichte:

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 4 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

Chiron zeichnete sich vor allen anderen Kentauren durch sein freundliches und

sanftes Wesen und seine überragenden Fähigkeiten in Astronomie, Musik, Medizin

und Kampf aus. Seiner Meisterschaft in diesen Künsten war weithin berühmt, so dass

zahlreiche Helden, darunter Achilles und Herakles, bei ihm zur Schule gingen.

Herakles war es auch, durch den er sein größtes Leid erfahren sollte: Bei einer Jagd

schoss der Held seinem Lehrer mit einem giftigen Pfeil versehentlich ins Knie. Das

Gift, das er verwendet hatte, war jenes aus dem Haupt des Schlangenungeheuers

Hydra – so stark, dass es keine Heilung geben konnte. Chiron, von göttlicher

Abstammung, konnte jedoch nicht sterben und so fanden seine Schmerzen kein

Ende trotz seiner eigenen unübertroffenen Heilkunst. Er fand erst Ruhe im Tod, als

Zeus einwilligte, dass er seine Unsterblichkeit für Prometheus opfere, der so

seinerseits von seinen ewigen Qualen erlöst wurde. Aus Dank setzten die Götter ihm

ein Zeichen und stellten ihn als Konstellation des Schützen an den Himmel.

Welche Charaktereigenschaften können wir dieser Geschichte entnehmen?

• Chiron ist anders: Kentauren gelten als wild, unbeherrscht und heimtückisch – er aber ist

gebildet und besitzt die Gaben der Zivilisation. Chiron steht für das Auftauchen der

Menschlichkeit aus der animalischen Welt. Auch der Mensch ist anders: Chiron steht für

dieses erste Herausgehobensein aus einer Welt, in der jedes Tier stets das erste seiner

Art ist und sich seinen Trieben zu ergeben hat. Mit Chiron erfahren wir, welche

Eigenschaften wir mitbekommen haben, um unseren Beitrag zur Zivilisation zu leisten.

• Chiron ist ein Heiler: Sein Name leitet sich möglicherweise von gr. cheir „Hand“ ab, die

heilende Hand also. An der Schwelle zwischen wildem Leben und Zivilisation ist er mit

seinen Begabungen eine Art Schamane, den keltischen Druiden vergleichbar. Chiron

steht für die intuitiven Heilkräfte in uns, das angeborene Wissen dafür, was uns gut tut

und was nicht. So wie Chiron über dieses Wissen selbstverständlich verfügt, zeigt er uns,

wie wir diese Kräfte spontan wieder in uns erwecken können.

• Chiron ist Lehrer: Er begleitet die Helden mit seinem Wissen in die Reife. Chiron zeigt

uns dadurch, aus welchen Erfahrungen wir lernen können, wo uns das Leben zum

Lehrmeister werden kann. Die ursprüngliche Lektion ist das Erwachsenwerden: mit

Chiron wird uns klar, welche unserer Eigenschaften wir durch unser Leben veredeln

sollen. Wir werden selbst zum Lehrer, wenn es uns gelingt, diese Erfahrungen anderen

weiterzugeben.

• Chiron wird eine nicht heilende Wunde zugefügt und damit ein nicht enden wollendes

Leiden. Er steht damit für all die Erfahrungen im Leben, die uns leiden lassen und die

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 5 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

nicht aufhören zu schmerzen. Es sind tiefe Wunden: Misserfolge und Fehlschläge, die

uns gedemütigt haben und die wir immer noch in unserem Herzen tragen und für die es

keine Sühne gibt. Chiron zeigt uns den Weg zur Überwindung des Leidens – nicht indem

wir nach Rache rufen, sondern indem wir verstehen und in dem wir vom Leiden

loslassen.

Chirons Horoskop

Abbildung 1: Das Horoskop der Entdeckung Chirons.

Führen wir uns das Horoskop in seinen Grundzügen vor Augen, wobei ich mich auf den

Aszendenten und seinen Herrscher beschränken möchte:

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 6 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

• Der Kleinplanet Chiron wurde mit einem Schütze-Aszendenten „geboren“ – und besser

hätte er es gar nicht treffen können: Ist doch das Sternbild Schütze der Sage nach

niemand anderes als der Kentaur Chiron selbst. Mit diesem Aszendenten bringt Chiron

die Gabe mit, den Horizont zu erweitern und an sich selbst zu wachsen.

Interessanterweise befindet sich der Aszendent auf einem Kritischen Grad nach Roscher

mit dem Inhalt Jupiter/Neptun1: Diese beiden Planeten stehen in Kombination für die

Suche nach einer objektiven Weltanschauung, nach Wahrheit. Dabei sind steht Jupiter

für die diesseitige Sphäre des Lebens und Neptun für die jenseitige, die verbunden

werden wollen. Chiron verdeutlicht so erneut, dass er transpersonalen Erfahrungen eine

persönliche, mitteilbare Ebene vermitteln möchte.

• Jupiter als Herrscher des Aszendenten steht in [7] und zeigt uns, wo diese Erfahrungen

gefunden werden, nämlich in der unmittelbaren Begegnung mit der Umwelt, in der

Konfrontation mit den anderen. Jupiter hat ein Trigon zur Sonne in [11]2 und diese eine

Konjunktion mit Uranus – die große Chance der Begegnung besteht im Ausleben

(Sonne) des eigenen Andersseins (Uranus, [11]), indem wir ans Licht bringen, was das

besondere an uns ist, auch wenn wir Gefahr laufen, aufzufallen und dadurch Ablehnung

und Demütigung zu provozieren. Gerade in diesen Besonderheiten aber liegt auch unser

Potential zur Unsterblichkeit, wenn man so möchte, indem wir unsere Ängste überwinden

und unser Leben einer höheren Aufgabe widmen als nur der schlichten Befriedigung der

Bedürfnisse: Jupiter ist nicht nur Herrscher von [1], sondern auch Herrscher von [12] –

und damit unser individueller Zugang zur Wahrheit.

• Wenn ein Planet über zwei Häuser herrscht, kann er seinen Auftrag nur dann erfüllen,

wenn er beiden Themen gerecht wird3: Jupiter hat hier die denkbar weiteste Kluft zu

schließen, die zwischen dem Persönlichkeit begründenden ersten und dem

Persönlichkeit auflösenden zwölften Haus. Dies ist jedoch nur ein weiteres treffendes Bild

für Chiron und Kentauren überhaupt, welche das nach reinem Überleben drängende

Potential der animalische Welt (Unterleib eines Pferdes) und die spirituelle Welt, wie sie

dem menschlichen Geist offen steht (menschlicher Oberkörper), in sich vereinen.

1 Michael Roscher, Kritische Grade im Radix, Roscher Verlag. S. 87.

2 Sie befindet sich im letzten Sechstel von [10] und zählt daher nach [11].

3 Vgl. Christopher A. Weidner, Das Arbeitsbuch zum Horoskop, München 2001, S. 56.

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 7 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

Der historische Moment der Entdeckung

Was würden wie erwarten von einer Zeit, in der ein Planet wie Chiron entdeckt wird? Diese

Zeit müsste geprägt sein von Verletzungen und dem Wunsch, diese zu heilen. Sie müsste

uns begreiflich machen, dass unser Leben auf Kräften gründet, die aggressiv und brutal

nach rücksichtslosem Überleben rufen und nur durch die Veredelung des menschlichen

Geistes in konstruktive Bahnen gelenkt werden können. Sie müsste uns zeigen, dass es in

der besonderen Verantwortung des Menschen liegt, das Leiden auf der Welt zu verringern

und dass er dafür auch Einbuße in Kauf zu nehmen, sich demütigen und verletzen zu lassen.

Aber machen Sie sich Ihr eigenes Bild:

Tatsächlich erlebte die Welt 1977 eine Eskalation des Terrorismus, insbesondere in

Deutschland. Den Politikern wurde klar, dass sie der Unzufriedenheit der Menschen, die sich

in diesen grausamen Gewalttaten ein extremes Ventil geschaffen hatte, nicht mehr

unbeachtet lassen konnten: der Demokratie wurde ein heftiger Schlag versetzt. In England

erstarkte eine andere Form des Protests gegen den Zwang zur Einordnung: die Punk-

Bewegung, die sich mit schrillen Klamotten und bewusst abstoßendem Äußeren (punk heißt

„Müll“) von der Masse der „Spießer“ abgrenzen, ihr Anderssein bekunden wollte: sie zeigten,

dass etwas mit der vielgepriesenen Wohlstandsgesellschaft nicht stimmen konnte.

Neben Erdbeben, Flut- und Dürrekatastrophen sowie Vulkanausbrüchen, offenbarte sich ein

neuer Zug, welcher die Menschheit vor allen anderen Spezies auszeichnen sollte: die

Ausbeutung der Natur mit ihren Folgen. Die Ölkrise vermittelte den Menschen, dass man

sich am Energievorrat der Erde nicht unbegrenzt gütlich tun konnte, in Harrisburg rutschte

man um Haaresbreite zum ersten Mal an einem Super-GAU vorbei, der 1986 schließlich in

Tschernobyl zur schockierenden Wirklichkeit wurde. Im italienischen Seveso verseuchte

Dioxin einen ganzen Landstrich, die Bevölkerung des Bikini-Atolls wird zwangsevakuiert, weil

die Verseuchung durch radioaktives Cäsium nach den Atombombentests unterschätzt

wurde, und die USA verboten als erstes Land FCKW, nachdem man herausfand, dass es die

lebensnotwendige Ozonschicht zerstört. Immer unklarer wurde auch, wie man die

radioaktiven Brennstäbe der Atomkraftwerke „entsorgen“ können – und so formierten sich

langsam Atomkraftgegner in Bürgerinitiativen, 1980 dann mit den Grünen auch als erste

Umweltschutzpartei in Deutschland. Als nach 1979 mit dem „Nato-Doppel-Beschluss“ die

Stationierung der Pershing 2 und Cruise Missile ihren Lauf nehmen soll, schließt sich die

Friedensbewegung an und immer mehr Menschen gehen für das Ende des Kalten Krieges

auf die Straße.

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 8 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

Während das erste Retortenbaby geklont wird und die ersten gentechnisch geklonten Mäuse

gezüchtet werden, verbreitet sich eine neue unheimliche Krankheit in der Welt: AIDS, welche

großes Leid und Hilflosigkeit in der Welt auslöst. Und während die Menschen Sonden in die

entferntesten Winkel unserer Sonnensystems schicken, beginnt eine neue Epoche der

Kommunikation auf der Erde: auf Initiative des amerikanischen Verteidigungsministeriums,

werden Computersysteme ohne zentrale Steuereinheit zu einem Netz autonomer Einheiten

verbunden, welches im Falle eines atomaren Erstschlags funktionsfähig bleiben kann, weil

der Ausfall einer Komponente nicht das gesamte Netz zerstören kann. Diesem Netzwerk

schlossen sich nach und nach zivile Einrichtungen, Universitäten, Behörden und

Unternehmen an bis schließlich mit der Verbreitung des PC sogar Privatpersonen Zugang

fanden. Als Kind des Kalten Krieges war das Internet geboren, welches heute Millionen

Menschen in der ganzen Welt über alle Grenzen hinweg zu einer großen Gemeinschaft

verbindet.

Die Brücke zwischen Saturn und Uranus

Chiron verbindet die Sphäre des Saturn mit der des Uranus: Damit ist er der Prototyp des

Grenzgängers schlechthin, denn er schlägt eine Brücke von der klassischen Siebenheit der

persönlichen Planeten Sonne bis Saturn zum Bereich der transsaturnischen Planeten, der

mit Uranus seinen Auftakt findet. Saturn und Uranus könnten ihrem Wesen nach ungleicher

nicht sein, und doch teilen sie sich die Domizile in Steinbock und Wassermann, wobei sich

Saturn eher im Steinbock zu Hause fühlt und Uranus eher im Wassermann. In diesem

Planetenpaar verkörpert sich ein alter Zwist: Saturn steht für die Notwendigkeit, Strukturen

zu bewahren, um Stabilität und Gerechtigkeit zu garantieren; Uranus hingegen ist die

Stimme des Bedürfnisses, Strukturen aufzubrechen, um Veränderungen zu ermöglichen und

das Alte durch neue Ideen zu befruchten. Beide sind im Grunde voneinander abhängig:

Uranus kann ohne Saturn nicht, denn welche Strukturen sollte er sonst in Frage stellen

können? Und Saturn braucht Uranus, denn wer bescherte ihm denn sonst die Aufgabe, sich

um die Sicherung neuer Strukturen zu kümmern? Im Idealfall spielen sich beide in die Hand

– doch unmittelbar begegnen sollten sich die beiden lieber nicht: ihre Ansichten darüber, wie

die Dinge zu laufen haben, sind zu unterschiedlich. Wenn sie ohne puffernde Kraft

aneinander geraten, kommt es schnell zu „Dammbruch“-Situationen: Strukturen, die als

stabil und sicher galten, bekommen Risse, geben dem Druck plötzlich nach und brechen. In

Sekundenschnelle kommt es zu katastrophalen Zerstörungen und wie nach einem Erdbeben

stehen wir nur noch vor den Trümmern unserer Wirklichkeit, die wir anschließend mühselig

wieder aufbauen müssen.

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 9 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

Chiron könnte nun ein solcher „Puffer“ zwischen diesen beiden Kräften sein. Seine Aufgabe

ist es, das Erworbene und für gut Befundene (Saturn) zu bewahren und zugleich offen zu

halten für Chancen, es kreativ einzusetzen (Uranus). Er zeigt uns, wo wir die Fähigkeit

besitzen, ein Stück der Ordnung, die bislang unsere Welt zusammengehalten hat,

aufzugeben, um uns für Einflüsse zu öffnen, die über unsere Persönlichkeit hinausgehen.

Denn gerade dort, wo wir etwas von uns geben, um es einem größeren Zusammenhang zur

Verfügung stellen, können wir über unser hinaus wachsen. Nach wie vor erfordert dies Mut

und nicht zuletzt die Bereitschaft, anzuecken und u.U. für den Willen zur Veränderung

Verletzungen einzustecken. Chiron zeigt uns aber, dass zugefügtes Leid für unsere

Bereitschaft, das Ungewöhnliche für ein höheres Ziel zu wagen, früher oder später belohnt

wird: unsere Taten werden am Himmel verewigt und werden weiter existieren, auch wenn wir

nicht mehr sind.

Das Domizil des Chiron

In welchem Tierkreiszeichen hat Chiron sein Domizil? Wo fühlt er sich seinem Wesen nach

am wohlsten? Während eine Astrologen das Tierkreiszeichen Waage für Chiron

beanspruchen (wohl um wenigstens die Doppelherrschaft der Venus über Stier und Waage

zu beenden), sprechen die Hinweise auf eine Zuordnung Chirons zum Schützen eine klare

Sprache:

• Chiron wird nach seinem Tode zum Sternbild Schützen

• sein Entdeckungshoroskop hat einen Schütze-Aszendenten

• Chiron erfüllt als Lehrer und Heiler eindeutige Schütze-Qualitäten.

Ich denke, dass dies allein schon rechtfertigt, ihn neben Jupiter zum Mitregenten über dieses

Tierkreiszeichen zu machen.

Zusätzlich dürfte er eine Affinität zum Übergang zwischen Steinbock und Wassermann

haben (0° Wassermann), denn hier treffen sich die beiden Herrschaftsbereiche von Saturn

und Uranus, zwischen denen er eine Brücke schlägt.

Die Deutung Chirons

Wie gehe ich nun mit Chiron im Horoskop um? Auf welche Frage antwortet Chiron?

Chiron antwortet auf diese Kette von Fragen:

• Wie überbrücke ich die Kluft zwischen meiner Persönlichkeit und dem größeren Ganzen,

in welches ich einbettet bin?

Christopher A. Weidner: Chiron im Horoskop

Seite 10 von 10

© 2002 Christopher A. Weidner

• Wo erweitert die Darstellung meines Andersseins nicht nur meinen, sondern auch den

Horizont der Gesellschaft?

• Wie gehe ich mit dem Leiden um, welches mir durch mein Anderssein von der

Gesellschaft zugefügt wurde?

• Wie lerne ich mein Leiden zu überwinden, indem ich Verantwortung für höhere Ziele

übernehme?

Natürlich kann dies wie alles, was wir über diesen Kleinplaneten aus astrologischer Sicht

wissen, nur provisorischer Natur sein und muss sich durch Studien in der Zukunft bestätigen.


 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

100 gute Gründe gegen Atomkraft

Facebook MySpace Twitter Digg Delicious Stumbleupon Google Bookmarks 
Werbeblocker?
Bitte beachten Sie, dass sich diese Seite über Werbung finanziert. Schalten Sie Ihren Werbeblocker ab um zu den Seiteninhalten zu gelangen.