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Das Prinzip Löwe - Leben heißt handeln

Die Sonne – Schlüssel zum Löwe-Prinzip

 

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Christopher A. Weidner: Das Prinzip Löwe – Leben heißt Handeln

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© 2002 Christopher A. Weidner

Das Prinzip Löwe: Leben heißt Handeln.

Von Christopher A. Weidner

Die Sonne – Schlüssel zum Löwe-Prinzip

Irgendwann um den 23. Juli herum geschieht es: die Sonne tritt in das Tierkreiszeichen des

Löwen ein. Der Lauf der Sonne hat sich wieder dem Horizont zugeneigt und das Taggestirn

steht nicht mehr so hoch wie zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende, wenn die Sonne in

den Krebs eintritt und den Sommeranfang verkündet: Mittsommernacht – die kürzeste Nacht

des Jahres um den 21. Juni, ist ein magischer Augenblick, an dem die Sonne innezuhalten

scheint. Von nun an wird ihr Bogen über den Horizont von Aufgang bis Untergang wieder

kleiner werden, die Tage werden wieder kürzer und die Nächte länger. Wenn dann der Löwe

das Szepter des Tierkreises in die Hand nimmt, sind die Schatten bereits länger geworden

und das Licht des Sommers goldener. Doch die Erde hat die Wärme des Hochsommers

gespeichert und gibt sie erst jetzt ab: so kommt es, dass wir die Zeit des Löwen als die

heißeste Zeit des Jahres erleben, als den Sommer schlechthin.

Der Schlüssel zur astrologischen Bedeutung des Löwe liegt in der Sonne selbst. Ihre Kraft

wird in dieser Phase des Jahres am stärksten erlebt, und dass nicht nur im positiven Sinne,

denn die Sonne kann zerstören und aus fruchtbarem Land eine leblose Wüste machen, sie

spendet aber auch Leben und Fruchtbarkeit, und nicht zuletzt sorgt sie mit ihrem Licht und

ihrer Wärme dafür, dass die Früchte zur Reife gelangen. Nicht umsonst hieß der Löwe-

Monat in früheren Zeiten auch „Erntemonat“ oder „Ährenmonat“, weil die Früchte des Feldes,

Gemüse und Obst in vollem Saft stehen und ihre größte Fülle erreichen. Was in der Krebs-

Phase des Jahres angelegt wurde, sich nach der Befruchtung in sich zurückgezogen hatte,

„ausgebrütet“ wurde, kehrt nun das reiche Innere nach Außen: aus unscheinbaren

Fruchtständen reift Obst heran, glänzt in verschwenderischer Farbpracht an den Zweigen

der Bäume, die sich von ihrer Last biegen, während durch goldenes Getreide der Wind

streicht. In dieser Phase der drückenden Wärme, die von einer eigenartigen Ruhe und

Bedächtigkeit gekennzeichnet ist, konzentriert sich das Leben darauf, das zu werden, was in

ihm angelegt ist: alles drängt nach Selbstausdruck.

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Vom Eindruck zum Ausdruck

Krebs – das war die Zeit der Beeindruckbarkeit: hier hielt die Natur inne, um sich auf die

inneren Prozesse zu konzentrieren, die durch die Eindrücke aus der Zwillinge-Phase in Gang

gesetzt wurden. Löwe – das ist die Zeit des Ausdruckes dessen, was diese inneren

Prozesse zu Wege gebracht haben. Jetzt muss raus ans Licht der Welt, was sich noch bis

eben verborgen hat. Auf der Ebene der menschlichen Psyche regiert Krebs über unsere

Gefühle, das, was wir in uns fühlen, womit wir uns identifizieren, unser zentripetales Selbst.

Löwe hingegen ist der Ausdruck der Gefühle, die Emotionen (von lateinisch e-movere

„hinausbewegen“), deren Summe wir aus zentrifugales Ich erleben, dass der Welt seinen

Stempel aufprägen möchte. In der Krebs-Phase ließen wir uns beeindrucken, befruchten – in

der Löwe-Phase wollen wir beeindrucken, unsere Persönlichkeit zur Welt bringen.

Ausdruck – das ist das Schlüsselwort zur Thematik des Löwen und sein Zeichen ist die

Sonne. Dabei spreche ich vom Löwen als einer menschlichen Grunderfahrung, die jeder

kennt. Im Löwe manifestiert sich ein allgemeines Bedürfnis nach Ausdehnung der

Persönlichkeit, nach Entfaltung und Wachstum. Im Löwen ist dieses Wachstum tendenziell

ungebremst – darin liegt sowohl seine Stärke als auch seine Schwäche. Später werden wir

sehen, was geschieht, wenn sich die Persönlichkeit weigert, in ein Stadium zu

transformieren, indem das fortgesetzte egozentrische Wachstum von einem Respekt für

andere abgelöst wird.

Um dies verständlicher zu machen, betrachten wir das Symbol der

Sonne, der Herrscherin des Löwen, genauer: ein Kreis, in der Mitte ein

Punkt. Trefflicher konnten die Alten das Symbol für die Sonne nicht

wählen, selbst wenn sie nichts von ihrer Position in der Mitte unseres

Planetensystems gewusst haben, denn Alles dreht sich um sie. Die

Sonne ist das Zentrum der Welt, ihr Nabel.

Man könnte auch das Bild eines Steines in diesem Symbol sehen, der in das Wasser eines

ruhigen Teiches geworfen wird. Der Ring repräsentiert die Kreise, die sich dort bilden, wo der

Stein die Oberfläche des Wassers durchdrungen hat. Auf diese Weise symbolisiert die

Sonne das Ausbreiten der Persönlichkeit in alle Richtungen von dem einen Zentrum aus:

dem Selbst, jenem Mittelpunkt, von dem aus jeder Mensch sein eigenes Universum aufbaut,

seine eigene Wirklichkeit konstruiert. Später, in der Jungfrau-Phase der Entwicklung, werden

die eigenen Kreise auf die Kreise anderer Menschen treffen, und es wird Interferenzen

geben, sich überlagernde Schwingungen, welche das perfekte Rund der eigenen Kreise

deformieren wird, doch jetzt in der reinen Löwe-Phase geht es nur um Eines: sich

ñ

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auszubreiten und seine Persönlichkeit in die Welt hinaus zu strecken. Aus dem Selbst wird

ein Ich.

Ein letztes Bild sei noch gegeben: das Bild einer Insel, vielleicht mit einem hohen zentralen

kegelförmigen Gipfel, von dem aus Alles überblickt werden kann. Hier wird besonders

deutlich, wie sehr die Sonne ein Symbol der Macht ist. Inseln waren schon immer eine

beliebte Allegorie für den idealen Staat so manches Philosophen, von Atlantis bis Utopia.

Dahinter steckt der Wunsch nach Überschaubarkeit, Abgrenzung und nicht zuletzt Kontrolle

über alles, was geschieht. Eine Insel garantiert bis zu einem gewissen Grad Unversehrtheit

und damit Unantastbarkeit. In ihrer Mitte sitzt der Herrscher, der seine Untertanen

überwacht.

Das Symbol der Sonne offenbart also mehrere Fassetten, die wir in der Bedeutung des Löwe

wieder finden: auf der einen Seite der schöpferische Mittelpunkt, der seine Grenzen immer

weiter nach außen dehnen möchte, um so von der Welt Besitz zu nehmen, sie für sich in

Anspruch zu nehmen (wie eine Amöbe, welche die Umwelt in sich aufnimmt und an ihr

wächst), und auf der anderen Seite die Grenze zur Umwelt hin, um sich nicht mit ihr zu

vermischen, den Inselstatus der Persönlichkeit nicht zu gefährden, die Integrität des Ego

nicht zu verlieren.

Die Integrität des Ego

Auf die Persönlichkeitsentwicklung in der Löwe-Phase bezogen, kann man folgende Stufen

unterscheiden, die jeder beim Versuch durchläuft, die eigene Integrität zu entdecken und zu

bewahren:

1. Wir müssen unsere Persönlichkeit abgrenzen.

In dieser Stufe der Entwicklung bauen wir uns unsere Persönlichkeit erst auf, d.h. wir

beginnen zu begreifen, wer wir sind. Dies geschieht im Zuge einer Abgrenzung von anderen

hinsichtlich der Eigenschaften, die ich als typisch für meine Persönlichkeit empfinde: Wer bin

ich und was sind meine Eigenschaften im Unterschied zu anderen?

2. Wir müssen dafür sorgen, dass unser Platz in der Welt sicher.

Dies ist die kritische Phase der Entwicklung. Hier entscheidet sich, ob wir in das nächste

Phase der Entwicklung . die Jungfrau-Phase – eintreten oder im Löwe-Stadium verharren.

Wie wir später noch sehen werden, leben wir in einer Welt, in der wir davon ausgehen, dass

es nicht genügend Raum für alle Egos gibt: die Möglichkeiten scheinen begrenzt und damit

der Entfaltungsspielraum – ein Kampf um die Plätze in der ersten Reihe des Lebens scheint

programmiert. Die Abgrenzung, die zuvor noch zur Definition der eigenen Persönlichkeit

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ausreichte, wird nun zum Instrument, sich gegen andere zu verteidigen. Das ist gefährlich,

denn jetzt kommt etwas anderes ins Spiel: Der Kampf um die Macht. Dieser Kampf ist nichts

anderes als ein Kampf um Möglichkeiten („Macht“ und „möglich“ sind etymologisch

verwandte Wörter), seiner Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Daraus ergibt sich das

problematische dritte Stadium der Löwe-Entwicklung, wenn wir den Schritt zur Jungfrau nicht

schaffen:

3. Wir müssen andere von ihren Plätzen vertreiben und ihre Persönlichkeit vereinnahmen.

Wer sein Licht nicht unter den Scheffel stellen möchte, muss dafür sorgen, dass er

genügend Platz hat, um es strahlen zu lassen. Wenn wir den Weg aus dem Löwe-Stadium

nicht finden, d.h. uns weigern in die nächste Stufe der Entwicklung einzutreten (Jungfrau). In

der es um das Einbeziehen der Bedürfnisse anderer in das eigene Leben geht, bedingt dies

fast automatisch einen Verdrängungskampf und im schlimmsten Falle sogar einen

Unterwerfungskrieg, indem es nicht mehr nur genügt, den anderen in die

Bedeutungslosigkeit abzudrängen, sondern ihn auch noch in dieser Bedeutungslosigkeit zu

halten.

Denn wo Licht ist, fällt auch Schatten. Und so wird jeder, der sich die Möglichkeiten

verschafft hat, sein Licht in wachsenden Kreisen zu verbreiten, auch Schatten werfen – auf

andere, die diese Möglichkeiten nicht haben. Hier ruht die Wurzel für den negativen Aspekt

der Macht: sie kann andere in ihren Schatten zwingen, anderen das eigene Licht nehmen.

Damit gelangen wir zum Recht des Stärkeren – einer weiteren Bedeutung des Sonne-Löwe-

Prinzips.

Das Recht des Stärkeren …

„Möge der Bessere siegen!“ – das hört sich zunächst nach ritterlichen Idealen an, nach

einem fairem Kampf um die Hand der Königstochter. Heute haben aber viele Menschen den

Eindruck, dass wir in einer Welt leben, in der nicht der Bessere siegt, sondern der Stärkere –

der, der am berüchtigten „längeren Hebel“ sitzt. Was aus einem wird und ob man Erfolg in

seinem Leben hat, scheint ganz entscheidend von der Platzierung in der sozialen Rangliste

abzuhängen. Der Weg dort hinauf ist ein Kampf gegen alle anderen, die dasselbe Ziel

haben. Man versucht sich gegenseitig die Butter vom Brot zu nehmen, sich gegeneinander

auszuspielen und sich zu übertrumpfen, nur um ein Stückchen weiter zu kommen als der

andere. Ein Existenzkampf wie im Urwald: alle streben nach dem Licht der Sonne und jeder

kämpft gegen jeden. Die Schwachen bleiben auf der Strecke und müssen ihr Dasein im

Schatten der anderen verbringen.

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All dies scheint zwar ungerecht – aber gilt nicht eben das Recht des Stärkeren? Ist dies nicht

ein ehernes Gesetz der Natur? Und warum sollte ausgerechnet der Mensch davon

ausgenommen sein?

Alles Leben verbraucht Energie, indem es Energie aufnimmt und wieder freisetzt. Jede

Handlung ist im Grunde nichts anderes als eine Freisetzung von Energie, die wir zuvor auf

dem einen oder anderen Wege unserem Organismus zugeführt haben. Die Freisetzung von

Energie ist eines der deutlichsten Kennzeichen von Leben und in einem gewissen Sinne

könnte man auch sagen: Leben heißt handeln – das Prinzip des Löwen.

Jede Handlung aber verändert die Umwelt. Die ursprüngliche Energie hat ihre Qualität

verändert. In der Natur geschieht das alles wie von selbst: Pflanzen speichern das Licht der

Sonne, Tiere fressen diese Pflanzen, diese Tiere werden wiederum von größeren Tieren

gefressen, diese Tiere sterben und ihre Körper dienen wiederum als Quelle für neues Leben.

In der Natur folgt alles einem biologischem Rhythmus von Werden und Vergehen, in den die

Zyklen der Freisetzung von Energie fest eingebunden sind. Die Gesetze der Natur sind stets

ökonomisch – sie sind dazu da, um den reibungslosen Ablauf des Lebens zu gewähren.

… und die menschliche Absicht

Nun tritt der Mensch auf den Plan: er scheint das einzige Lebewesen zu sein, welches

diesem natürlichen Zyklus etwas entgegensetzen kann – seine menschliche Absicht. Er kann

seinen Handlungen eine Bedeutung verleihen, die nicht an den Notwendigkeiten der Natur

ausgerichtet ist, sondern seine Persönlichkeit widerspiegelt. Für das Tier ist die Zukunft

geprägt von der Wiederkehr des Gleichen und seine Handlungen vollziehen sich in keinem

anderen Rahmen, als den Bedingungen, die ihm die Natur auferlegt. Für den Menschen aber

ist die Zukunft ein unbeackertes Feld an Möglichkeiten. Der Mensch kann sein Leben planen

und kann der Zukunft den Stempel seiner Absichten aufprägen. Er ist prinzipiell der Schöpfer

seiner Zukunft und seine Handlungen sind nicht zwingend mechanische Reaktionen auf die

Bedingungen der Natur, sondern der kreative Ausdruck seiner Persönlichkeit.

Eine solche Handlung setzt voraus, dass der Mensch sich frei und selbstverantwortlich

entscheiden kann, wofür er seine Energie einsetzt. Was aber wenn wir das Gefühl haben,

dass nicht wir es sind, die unseren Handlungen ein Ziel geben, sondern andere? Was, wenn

wir unser Leben nur im Schatten des Lebens anderer führen und wir das Gefühl haben, dass

andere unsere Handlungen zum Instrument ihrer Absichten machen? Wie viel Gewicht hat

eigentlich unsere eigene Absicht, wenn wir unsere Zukunft gestalten?

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Tatsächlich leben viele Menschen mit dem Grundgefühl, dass das, was sie tun, zwar einen

Sinn hat, aber dass dieser Sinn sehr wenig mit dem zu tun hat, was sie sich für ihr Leben

gewünscht haben. Wir tun viele Dinge, einfach weil sie von uns verlangt werden und lassen

uns vor den sprichwörtlichen Karren anderer spannen. Wir tun, was man uns sagt – vielleicht

weil ein anderer einfach Macht über uns hat, oder weil ein anderer für uns eine Autorität

darstellt, dessen Urteil wir nicht in Frage stellen. Wir fügen uns dem Wunsch eines anderen,

weil er behauptet, er wüsste was gut für uns ist oder auch nur weil er die Insignien der Macht

trägt und wir uns sagen: "Er wird schon wissen, was er von mir verlangt." Viele Kinder haben

solche Erfahrungen mit ihren Eltern gemacht.

Jeder Mensch ist in ein Geflecht aus Beziehungen eingebunden, in dem die einen auf die

anderen Macht ausüben, mal offensichtlich und brutal, mal subtil und versteckt. Jeder spürt

den Druck dieses Systems und jeder hat Angst, diesem Druck nicht gerecht zu werden. Über

all dort, wo wir auf Konkurrenzdenken und Ellenbogentaktik stoßen, sehen wir zwar die

Bedrohung, von anderen zum Werkzeug seiner Absichten gemacht zu werden. Wir fühlen

uns unglücklich damit, aber wir glauben insgeheim, dass dies so sein muss. "Das Recht des

Stärkeren" oder "Konkurrenz belebt das Geschäft" – solche Parolen klingen uns in den

Ohren und treiben uns an, unsere Persönlichkeit gegen die der anderen auszuspielen.

Unsere Handlungen werden nicht mehr von dem Wunsch getragen, unserer Persönlichkeit

Ausdruck zu verleihen, sondern sie so gut es geht einzusetzen, um im Leben gegen andere

zu bestehen. Die Zukunft ist kein offenes Land der Möglichkeiten – sie ist ein geschlossenes

Gefäß, dessen Form schon heute bestimmt, wie ich meine Energie einsetzen muss.

Eines aber vergessen wir dabei: wir werden kein Stück freier dadurch, dass wir andere

besiegen. Im Gegenteil: wir sind austauschbare Figuren in einem Spiel, dessen einzige

Spielregel darin besteht, andere im Kampf um das Licht in den Schatten zu drängen. Und

dieses Spiel funktioniert deshalb so gut, weil wir glauben, dass es so sein muss, dass dieser

Kampf natürlich sei. Mit diesem Glauben aber leugnen wir das, was uns eigentlich

menschlich macht: nämlich die Fähigkeit, den Handlungen eine eigene Absicht zu verleihen

und frei zu entscheiden, wozu man seine Energien einsetzt. Der Glaube an die Natürlichkeit

des Kampfes um die Macht spricht dem Menschen eine eigene Absicht ab, und damit das

Menschsein schlechthin.

Wie aber können wir diesem Spiel entkommen? Wie können wir unseren Handlungen wieder

genau die Bedeutung verleihen, die unserer Persönlichkeit entspricht?

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Die eigene Sonne sein

Zunächst müssen wir die Gewissheit haben, dass es so etwas wie eine freie und

selbstverantwortliche Handlung des Individuums gibt – und wir müssen den Trick des

Machtspiels durchschauen. Der Trick besteht darin, dass wir glauben, es gäbe nur eine

Sonne, nach der sich alle ausrichten müssten und dass ein Platz an der Sonne eben nicht

von allen ergattert werden könne. Diese eine Sonne kann zu verschiedenen Zeiten und an

verschiedenen Orten unterschiedliche Inhalte verkörpern. Vielleicht ist es Erfolg und

Anerkennung im Beruf oder in der Liebe, vielleicht ist es aber auch einfach materieller

Reichtum, das neue Haus, der schicke Wagen usw. Diese Wünsche sind wie Magneten, an

denen wir unsere Handlungen ausrichten: wir bündeln alle Energie auf das Erreichen dieses

einen Zieles. Diese Ideen und Gegenstände bestimmen von nun an unser Handeln – nicht

wir selbst. Und wie selbstverständlich ist jeder andere, der meinen Weg kreuzt, zunächst

verdächtig, mir die Suppe versalzen zu wollen.

Es geht jedoch nicht darum, aufzuhören zu handeln. Vielmehr müssen wir uns wieder als

Mittelpunkt aller Handlungen wahrnehmen. Das bedeutet ein Bewusstsein davon zu

gewinnen, dass alles von uns abhängt. In diesem Moment werden wir uns nicht mehr als

Figuren eines Spieles erleben, die dem Licht einer fremden Sonne nachjagen und verzweifelt

bemüht sind, dem Schatten anderer zu entfliehen. Wir erleben uns als eine eigene Sonne,

die es nicht nötig hat, ihr Licht von anderen zu beziehen, um zu strahlen. Jede unserer

Handlungen ist dann Ausdruck dieses eigenen Lichtes und trägt den unverwechselbaren

Stempel unserer Persönlichkeit. Wir handeln nicht so, wie man es von uns erwartet, sondern

wir handeln aus unserem Herzen heraus – wir handeln genau so, wie wir sind. Es gibt sie

nicht, die eine Sonne für alle. Jeder von uns hat seine eigene Sonne und niemand muss

einer fremden Sonne nachjagen, wenn er weiß, dass es eine Sache gibt, in der ihn niemand,

wirklich niemand, übertrumpfen kann: nämlich genau der zu sein, der man ist.

Das ist die unmissverständliche Lektion der Löwe-Phase.

Uranus vs. Sonne

Der astrologische Schlüssel zu diesem neuen Selbstverständnis liegt im

Oppositionszeichen des Löwen begraben. Allgemein haben die

Oppositionszeichen im Tierkreis die Bedeutung einer Konfrontation, einer

Herausforderung. Man könnte auch sagen: Jedes Tierkreiszeichen wird über

das Oppositionszeichen stimuliert, sich zu entwickeln. Dieser Ansporn ist

nicht immer angenehm, aber er hilft uns, nicht in einem bestimmten Stadium ø

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hängen zu bleiben, sondern unsere Entwicklung voranzubringen. So hilft uns der

Wassermann dabei, den Löwen zu überwinden und in die Jungfrau einzutreten. So wie die

Sonne dem Löwe zugeordnet wird, beherrscht Uranus den Wassermann. Wenn wir sein

Symbol betrachten, werden wir eine erstaunliche Feststellung machen: es handelt sich um

das Sonnensymbol – doch mir einem entscheidenden Unterschied. Von dem Kreis mit dem

Punkt in der Mitte zeigt ein Pfeil nach oben weg! Wäre das Sonnensymbol ein Rad mit einer

Nabe darin, so zeigt dieser Pfeil die Unwucht an, wie sie bei praktisch bei allen rotierenden

Gegenständen auftaucht und unerwünschte Schwingungen hervorruft, die Rotation ablenkt

und das Rad zum „Eiern“ bringt. Die Unwucht zerstört die Harmonie des Kreises und damit

die Illusion von Perfektion: Unwuchten treten immer dort auf, wo der Schwerpunkt eines

Systems nicht exakt im geometrischen Mittelpunkt liegt – und dies ist im Realfall immer

gegeben.

Uranus holt die Löwe-Sonne von ihrem „hohen Ross“: er zeigt, dass nichts für die Ewigkeit

geschaffen ist und sich niemand für immer seiner Machtposition sicher sein kann – irgendwo

ist immer der Haken, die ungeschliffene Stelle, die minimale Abweichung vom Ideal.

Wassermann ist das „Haus“ des Uranus und in dieser Phase lernen wir, unsere

Persönlichkeit nicht daran zu messen, wie viel Raum sie für beanspruchen kann, sondern

was sie so einzigartig im Unterschied zu anderen macht. Wassermann zeigt uns, wo wir

individuell sind, wo wir besonders, eben anders sind – und fordert uns auf, diese „Unwucht“

der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Durch unser bewusst gelebtes Anderssein sind

wir in der Lage, einen Beitrag zur Entwicklung des gesellschaftlichen Ganzen zu leisten, wie

nur wir ihn leisten können.

Der Scheinriese

Deshalb ist Wassermann die „Kur“ für das problematische Stadium der Löwe-Entwicklung: er

bestätigt uns darin, etwas Einzigartiges zu sein, aber er erinnert uns daran, dass jeder von

uns darin einen Auftrag sehen sollte, den er gegenüber dem großen ganzen hat, in welches

er eingebettet ist. Unsere Persönlichkeit ist nicht Selbstzweck. Das mag uns in der Löwe-

Phase noch so erscheinen – wir mögen denken, dass wir tun und lassen können, was wir

wollen. Deshalb erleben wir den Übergang in die Jungfrau-Phase als Bedrohung unseres

Selbstverständnisses: die Interferenzen mit anderen Kreisen von anderen Steinen, die in

denselben Teich geworfen wurden, erfahren wir als Störung. Erst wenn wir mit Wassermann

begriffen haben, dass es nicht darum geht, unsere Persönlichkeit als Eigentum zu

behandeln, dass gegen andere verteidigt werden muss, sondern in ihr das Potenzial zur

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Veränderung und Verbesserung der Situation aller Menschen sehen, werden wir das

Jungfrau-Stadium mit offenen Armen begrüssen.

Damit wird das oben genannte problematische dritte Stadium der Löwe-Entwicklung

umgewandelt, denn nun verlassen wir den egozentrischen Standpunkt und öffnen uns einem

neuen Verhältnis unserer Umwelt gegenüber, dass von größerem Respekt für die

Persönlichkeit anderer geprägt ist. Die Wandlung des Löwen zur Jungfrau ist ein wichtiger

Schritt, den offensichtlich nur wenige Menschen heute bereit sind zu gehen, solange wir in

einer Gesellschaft leben, für die das Recht des Stärkeren Gesetz geworden ist.

Wer aber diesen Schritt tut, der wird eine interessante Erfahrung machen: so übermaÅNchtig

und riesig sich unser Ego auch im Kampf um das Licht aufblähen mag – umso

unbedeutender und unwichtiger wird es, wenn wir es rückblickend von den Gestaden der

Jungfrau aus betrachten.

Erinnern wir uns an das Bild von der Insel, in deren Mitte der unantastbare Herrscher weithin

sichtbar über sein Imperium thront: er ist aus dieser Sicht nichts weiter mehr als ein

Scheinriese, wie jener Riese Turtur aus der Geschichte von Jim Knopf und dem

Lokomotivführer auf der Suche nach dem Lummerland. Je näher man ihm kommt, d.h. je

weniger man seine Abgrenzungs- und Ausdehnungsversuche ernst nimmt, umso kleiner wird

er auch, bis er schließlich auf Normalgröße zusammenschrumpft, wenn wir im Auge in Auge

gegenüber stehen.


 

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